Peter Medgyessy: Finanzfachmann wurde Politiker wider Willen

19. August 2004, 19:53
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Parteiloser als Opfer der Parteipolitik

Budapest - Ein richtiger Politiker ist aus Peter Medgyessy nicht geworden. Vielleicht wollte der 61-Jährige dies auch nicht, als die ungarischen Sozialisten (MSZP) den Parteilosen 2001 baten, für sie bei der Parlamentswahl 2002 für das Amt des Ministerpräsidenten zu kandidieren. Nun ist er der Parteipolitik zum Opfer gefallen. Ständige Querelen zwischen den Regierungsparteien MSZP und Bund Freier Demokraten (SZDSZ) und Machtkämpfe innerhalb der vor einem Generationswechsel stehenden Sozialisten haben zum Ende seiner kurzen Regierungszeit beigetragen.

Als Diplomatensohn wuchs Medgyessy zum Teil in der rumänischen Hauptstadt Bukarest auf. 1966 begann er eine Karriere als Beamter im damals noch kommunistischen Finanzministerium in Budapest. 1987 wurde er erstmals Finanzminister und war mit Steuerreformen einer der Wegbereiter des Übergangs zur Marktwirtschaft in Ungarn.

In den Wendejahren 1988 bis 1990 war Medgyessy stellvertretender Ministerpräsident in der Regierung des Sozialisten Miklos Nemeth. Von 1996 bis 1998 war er erneut Finanzminister in der Regierung von Gyula Horn (MSZP). Dazwischen war der Finanzfachmann Generaldirektor bei der Paribas-Bank, bei der Ungarischen Entwicklungs- und Investitionsbank und bei der Inter-Europa-Bank.

Offensichtlich hatte der stets etwas traurig dreinblickende Mann im grauen Anzug bereits damit gerechnet, dass sich seine Karriere als Regierungschef dem Ende nähert. Wenige Stunden vor seinem Rücktritt hatte er in einem Interview mit der ungarischen Tageszeitung "Nepszabadsag" gesagt, er schließe nicht aus, dass er das Opfer der umstrittenen Regierungsumbildung sein werde, die er am Tag zuvor angekündigt hatte. (APA/dpa)

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