Geschichte der richtigen Sprache

29. Oktober 2004, 12:14
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Von Luthers Bibelausgabe 1542 bis zu den "Parallelschreibweisen" 2004

16. Jahrhundert: Die deutsche Schriftsprache bildet sich auf sächsisch-meißnischer Grundlage aus. Luthers Bibelausgabe von 1542 initiiert dabei maßgeblich Großschreibung und differenzierte Interpunktion.

1653: "Die Deutsche Grammatica" formuliert die Substantivgroßschreibung als Regel.

1722: Hieronymus Freyer (Anweisung zur teutschen Orthographie) und Johann Christoph Gottsched (Grundlegung einer Deutschen Sprachkunst) 1748 bemühen sich um die Einheitlichkeit der deutschen Hochsprache.

1854: "Das Deutsche Wörterbuch" der Brüder Grimm proklamiert die Neuregelung auf Basis des Mittelhochdeutschen.

1872: Konrad Dudens "Die deutsche Rechtschreibung" erscheint. Erplädiert für die Kleinschreibung.

1876: I. Orthographischen Konferenz in Berlin. Abstimmung über Regeln und Einzelfälle. Die "Progressiven" stellen die Mehrheit. Konservative Pressekampagnen und Statements verhindern die Umsetzung der Beschlüsse.

1901: Kurz nach der Orthographischen Konferenz in Wien findet die II. Orthographische Konferenz in Berlin statt. Es entsteht ein amtliches, für österreichische und deutsche Schulen verbindliches Regelwerk.

1941: Die von Fritz Rahn geforderte Rechtschreibung "in nationalsozialistischem Geiste" soll die Großschreibung eliminieren, das ganze Projekt wird als "nicht kriegswichtig" abgelehnt.

1951: "Das Österreichische Wörterbuch" gilt nun als amtlich verbindlich.

1954 entsteht eine westdeutsche, 14. Auflage des Duden, die DDR-Version entwickelt sich unabhängig.

1977: Gründung der Mannheimer Kommission für Rechtschreibreform. Bei den 1. Wiener Gesprächen zu Fragen der Rechtschreibreform 1986 wünscht man sich Vereinfachungen.

1987 erhält das Institut für deutsche Sprache den Auftrag, Neuregelungen vorzuschlagen. Vor Erscheinen des Berichts publiziert Gerhard Augst den Vorschlag zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung in der "FAZ".

1993: 30 Organisationen werden von der Kultusministerkonferenz zur Anhörung eingeladen. Das Ergebnis ist das amtliche Regelwerk von 1995. Nur Österreich und die Schweiz beschließen die neue Rechtschreibung.

1996 Frankfurter Erklärung: 100 Autoren sprechen sich gegen die Reform aus.

1999 beschließt die deutsche Regierung die amtliche Einführung der neuen Rechtschreibung.

2004: Die Kommission in Mannheim wird durch einen Rat ersetzt. Die Reform soll zwar im August 2005 in Kraft treten, dennoch sind etliche "Parallelschreibweisen" erlaubt. "Spiegel", "Bild", "Welt" und "Süddeutsche" erklären am 7. 8. 2004 die Rückkehr zur alten Rechtschreibung. (DER STANDARD, Album, 14./15.8.2004)

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