Pestizide bei Merkur-Erdbeeren nachgewiesen

29. Juli 2004, 21:06
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Einstweilige Verfügung gegen Merkur wegen irreführender Werbung

Wien - Die Merkur-Handelskette Merkur hat - belegt durch ein Gutachten - damit geworben, dass ihre San Lucar-Erdbeeren aus Spanien keine nachweisbaren Gehalte an Pestiziden besäßen. Proben der Arbeiterkammer (AK), aber auch vier weitere Prüfberichte von Merkur selbst hätten jedoch sehr wohl Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln ergeben (alle unterhalb der Grenzwerte, Anm.).

Daher hat die AK nun beim Handelsgericht Wien eine - vorerst nicht rechtskräftige - Einstweilige Verfügung gegen Merkur wegen irreführender Werbung erwirkt, wie es am Mittwoch in einer AK-Aussendung hieß. Merkur hat gegen die einstweilige Verfügung Rekurs eingebracht.

Merkur warb mit Erdbeeren ohne Pestizide

Zum Hintergrund: Merkur warb laut Arbeiterkammer im März mit einem Prüfbericht, dass spanische San Lucar-Erdbeeren keine nachweisbaren Pestizide enthalten. Hingegen habe ein AK-Test bei elf San Lucar-Erdbeerproben aus acht Merkurmärkten nachweisbare Pestizidrückstände ergeben - wie auch vier weitere, selbst von Merkur vorgelegte Prüfberichte. "Konsumenten werden getäuscht. Sie vermuten, dass die Erdbeeren pestizidfrei wären", kommentierte AK-Konsumentenschützer Heinz Schöffl.

Mit dem einen abweichenden Gutachten zu werben, sei irreführend. Darin stand, dass Organophosphorpestizide, Organostickstoffpestizide und Organochlorpestizide nicht nachweisbar seien. Damit wurde, so die AK, in Prospekten, Tageszeitungen und direkt bei den Verkaufsständen auf Hinweistafeln geworben. "Für den Konsumenten wurde der Eindruck erweckt, dass die beworbenen Produkte nicht nur gut kontrolliert, sondern auch gänzlich frei von Rückständen an Schädlingsbekämpfungsmitteln wären", betont Schöffl.

Die Werbung kam der AK spanisch vor. Das Ergebnis der "Gegen-Tests": Alle elf geprüften Produkte hätten nachweisbare Schädlingsbekämpfungsmittelrückstände der Kategorie Organostickstoffpestizide in unterschiedlichen Mengen enthalten, und zwar zwischen 0,5 und 70 Prozent der jeweiligen Höchstwerte. Darüber hinaus gibt es auch vier weitere Prüfberichte von Merkur selbst, die zeigen, dass diese Erdbeeren pestizidbelastet sind. "Der eine veröffentlichte Prüfbericht dürfte offenbar eine Ausnahme sein, sich dann auf ein solches Gutachten zu stützen, ist irreführend", sagt Schöffl.(APA)

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