Steirische Heeresherberge für Bernardis! - ein Kommentar der anderen

18. Oktober 2004, 18:27
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Plädoyer für eine gleichermaßen logische wie patriotische, weil steirische und ergo auch österreichische Lösung der Suche nach einer würdigen Heimstatt des Gedenkens für den Widerstandskämpfer Robert Bernardis - von Wolfgang L. Gombocz

Günther Platters "Bundesheer-Neu-Reformen ohne Tabus" schließen auch die Schließung von Militärkommandos ein – und damit auch die Erstellung der fast schon "traditionellen" Liste der zu schließenden respektive zu verkaufenden Kasernen. Derlei Listen enthielten seit Menschengedenken immer auch die mir lieb gewordene Radkersburger Soldatenherberge in der Plaschenau unmittelbar vor den Stadtmauern, die bis heute unverkauft, unverdrossen und unverschlossen den Feldjägern dient. Von September 1952 bis einschließlich Juli 1957 bin ich täglich (werktags wenn Schultag; sonn- und feiertags zur Kirche; einzige Ausnahme 1. Mai) an diesem schönen und beeindruckenden Bau samt Wachposten vorbeigepilgert, ja gepilgert!

Diese mich (wie ich glaubte) "schützende" Militärburg hatte einen Namen, einen seit der Kaiserzeit! Ich kannte ihn, hatte ihn vom Firmpaten = Freiheitskämpfer und Volkssturmmitglied, vom Großvater = Freiheitskämpfer und "Russenopfer", von der Mutter = Kriegsfrontaugenzeugin am Ort und Russenopfer, vom Vater = Schwerverwundeter vor Stalingrad und Heim- und Umkehrer und vom Lehrer ("Tag der Fahne"-Organisator) gelernt! Irgendwann, sehr viel später dann und wohl im Zusammenhang mit so genannten "Neubenennungen" (lag mehr als), stand da im Grün vor der Kaserne (ein wenig in die Richtung gerückt, aus der ich kam) statt dem Wachposten eine Marmortafel mit dem Namen "Mickl-Kaserne". – Was war da geschehen?

Plötzlicher C-Verlust

Folgendes: Die bereits genannten Informanten hatten mir auch von einem autochthonen Helden aus dem Jahre 1919, dem Geburtsjahr meines Vaters, erzählt. Der Zeltinger Bauernsohn, "Kriegsveteran" des ersten Weltkrieges und K.u.K.-Offizier Hans Mikl hatte am 4. 2. 1919 die Freischar der so genannten Freiheitskämpfer (bitte nicht Abwehrkämpfer, das ist Kärntner Jargon!) gegen die SHS-Besatzung angeführt und die Stadt Radkersburg samt besetztem Umland einschließlich des Bahnhofs beinahe von der südslawischen, also beinahe von der jugoslawischen Besatzung befreit. (Diese ungeliebte SHS-Streitmacht verließ endgültig im Juli 1920 die Stadt.)

Mikl, ohne "C", stammte aus dem dem meinigen benachbarten Dorf Zelting, einem der fünf "windischen", aus einer Familie, die auch heute dort lebt und immer noch Mikl heißt (siehe Telefonbuch). Wie die einschlägige Fachliteratur zu Recht behauptet, verstand Mikl etwas Slowenisch und etwas Kroatisch, was mich, der ich, so wie auch Mikl, das urbane Radkersburger-Deutsch erst in der Schule lernte, nicht wundert!

Irgendwann später nannte sich der Freiheitskämpfer Mikl "Mickl", unter welchem – aufgrund des "C" vor dem "K" weniger slawisch klingenden – Namen er es auch in der Deutschen Wehrmacht bis zum Höchstoffizier brachte. Der Einsatz im jugoslawischen Territorium sowie im verbündeten Staate der Ustascha-Kroaten wird in der Fachliteratur auch mit Mi(c)kls Sprachkenntnissen begründet.

Wenige Tage vor Kriegsende geriet Mi(c)kl im Adriaküstengebiet in einen Hinterhalt der so genannten Tito-Partisanen und wurde durch Genickschuss getötet.

Wehrmachtstraditionspflegestätte

Die durch die britische Besatzung bis 1955 mir immer als Symbol der Freiheit erschienene Militärsburg wurde indes "Mickl-Kaserne" getauft, und damit – ohne dass es Platter natürlich weiß und Scheibner wusste und Lichal vermutete – zu einer Wehrmachtstraditionspflegestätte erkoren, obschon Telefonbuch, römisch-katholischer Friedhof in Goritz und Dorfkreuz (= zugleich Kriegerdenkmal in Zelting) sowie nationale und auch internationale Fachliteratur bezeugen, dass der Anführer der Freiheitskämpfer als Mikl geboren ward. – Wozu diese ganze Geschichte?

Stadt Radkersburg und Umgebung wurden am 16. April 1945 von der Roten Armee endgültig befreit, ein riesengroßes "Russendenkmal" am Hauptplatz von Radkersburg zeugte davon bis 1960, heute steht es verwittert und ungepflegt am Grazertorplatz als stark verkleinerte Miniaturausgabe und ist so, wie es ist, eine Kulturschande!

Ergo dessen: Fastbefreiung von 1919 und Ganzbefreiung von 1945 verdienen wohl die ihnen jeweils angemessene Erinnerung(spflege), obgleich die britische Ablöse der sowjetischen (und bulgarischen) Besatzung Ende Juli 1945 erst recht und besonders von den Russen- und Partisanenopfern als die letzte ortsbezogene Befreiung gefeiert ward.

Ich ersuche daher die Weltöffentlichkeit, die Renovation des "Russendenkmals" von 1945 zur Erinnerung an die Befreiung von außen mit Blick aufs Jubiläumsjahr 2005 zu betreiben, und ich fordere die Standard-Leserschaft auf, zu verlangen, die Erinnerung an die Befreiung von innen, zum Beispiel durch Oberstleutnant Bernardis, erweiternd auch nach Radkersburg und Zelting zu verlagern! "Bernardis-Kaserne" klingt unslawisch und unrussisch – gut (sag' ich stellvertretend für die mitgedachten Ortsansässigen); "Bernardis-Kaserne" klingt eigentlich auch undeutsch und unsteirisch – auch nicht schlecht; es hat aber ein Echo, das englisch klingt – womit auch den Ohren der Ansässigen gedient wäre, die diesen Besatzern nicht nur für Kaugummi und Schokolade, sondern auch für das Wegheiraten einer zweistelligen Anzahl "Übergebliebener" dankbar sind.

Niemand wird Platter einen Vorwurf machen können, dass er und seine (frei nach Rauscher) "eingeschleusten" Mannen dies nicht selbst herausgefunden haben! Nun ist es publik! Meine Herren – einschließlich aller Herren Verteidigungsminister (ob amtierend oder pausierend) –, bitte, vor den Vorhang! Meine lieben Radkersburger Landsleute – bitte um Ihre Zustimmung und Unterstützung! (DER STANDARD, Printausgabe, 28.7.2004)

1) Als mittelmäßige Kompromisslösung wäre auch eine Mikl-Bernardis-Kaserne (ohne "C"!) denkbar.

Wolfgang L. Gombocz ist (Jg. 1946), geboren im "windischen" Dorf Laafeld/ Potrna bei Radkersburg ist ao. Philosophieprofessor an der Universität Graz.
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    . . . oder man einigt sich auf den Kombi-Kompromiss: Mikl-Bernardis-Kaserne - dann aber bitte ohne "C"!

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    Robert Bernardis

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    Hans Mi(c)kl

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