Kompromiss kommt gut an

27. September 2004, 15:25
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Der Pakt zwischen Unternehmensführung und Betriebsrat erntet viel Lob - Debatte um Arbeitszeitverlängerung bei VW ist eröffnet

Zeitz/München/Berlin - Die Einigung auf ein Sparpaket bei DaimlerChrysler erntet in Deutschland viel Applaus. Der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) begrüßte am Samstag in Zeitz in Sachsen-Anhalt den "Sieg der Vernunft". Die Einigung diene "dem Standort Deutschland" und sei ein Beweis für die "Funktionsfähigkeit der Tarifverträge in Deutschland" so der Minister.

Wie berichtet haben sich Vorstand und Betriebsrat von DaimlerChrysler Ende der Vorwoche auf ein Sparpaket von jährlich 500 Millionen Euro geeinigt. Dafür werden im Gegenzug die Arbeitsplätze in Deutschland bis zum Jahr 2012 gesichert. Der Konzernvorstand verzichtet dauerhaft auf zehn Prozent Gehalt.

Zur Diskussion um die 40-Stunden-Woche sagte Clement, Arbeitszeit sollte kein Dogma für Unternehmen und Regionen sein. Es gehe um flexible Lösungen. In den Regionen "muss und sollte auf die Standortbedingungen Rücksicht genommen werden".

Gutes Zukunftssignal

Auch Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) wertet die Einigung der Autobauer als "Zukunftssignal für Deutschland". Sie zeige, "dass wir Deutsche bereit und willens sind, unsere Zukunft selbst in die Hand zu nehmen".

Stoibers politische Schlussfolgerung: "Die Forderung der Union nach betrieblichen Bündnissen für Arbeit hat jetzt den Praxistest bestanden." Im Falle einer Regierungsübernahme nach der Bundestagswahl 2006 würden CDU/CSU diese betrieblichen Bündnisse auch gesetzlich verankern.

Ausdrücklich begrüßte der CSU-Chef die Bereitschaft von DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp zum Gehaltsverzicht. "Wird von den Arbeitern ein Beitrag zum Erhalt der Arbeitsplätze erwartet, sollten auch die Topebenen der Unternehmen einen Beitrag zur Kostensenkung erbringen. Das ist absolut richtig."

Lob ernteten die Verhandler auch vom Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. Das Land bewege sich mit großen Schritten auf ein anpassungsfähigeres Flächentarifsystem zu.

Generelle Lohnkürzungen oder Arbeitszeitverlängerung lehnt der DIW-Chef aber ab, da sei das Ende der Fahnenstange schon erreicht. Allerdings müssten die Unternehmen durch flexiblere Arbeitszeiten mehr Möglichkeiten bekommen, auf Auftrags- und Konjunkturschwankungen zu reagieren.

VW soll länger arbeiten

Im Gegensatz dazu fordert der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) nun längere Arbeitszeiten bei Volkswagen. Wulff sagte gegenüber der Berliner Zeitung, der niedersächsische Automobilhersteller werde seine 175.000 Arbeitsplätze in Deutschland nicht erhalten können, wenn es beim derzeitigen Haustarifvertrag bleibe. (dpa, APA/DER STANDARD Printausgabe, 26.07.2004)

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    Damit die Autos mit dem Stern weiterhin von Fließbändern in Deutschland rollen, handelte DaimlerChrysler einen Pakt aus, der noch Modellcharakter bekommen könnte.

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