Microsoft profitiert von der PC-Konjunktur

8. September 2004, 14:01
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Der Softwareriese steigert Umsatz und Gewinn kräftig, kann den Zuwachs aber nicht in diesem Tempo halten

Seattle - Der Geldregen im Gesamtwert von 75 Milliarden Dollar, den der weltgrößte Softwareerzeuger Microsoft in den kommenden Jahren auf seine Aktionäre gießen will, macht Schule. "Microsoft ist das Aushängeschild, und mehr Unternehmen werden diesen Weg einschlagen", erwartet Howard Silverblatt, Analyst bei Standard & Poor's in New York: "Das wird in den Aufsichtsräten viele Diskussionen auslösen, und dazu kommt der öffentliche Druck."

Immer mehr Unternehmen beteiligen ihre Aktionäre über eine Dividende am Gewinn, zeigt eine Studie der University of Illinois. Zum einen wird dies von immer mehr Aktionären eingefordert, zum anderen profitieren die Unternehmen von der Dividende, nachdem Präsident George W. Bush im Jahr 2003 die Steuer auf diesen Posten gesenkt hat. Die Aktienkurse spiegeln nach Auffassung von Silverblatt die Vorliebe der Anleger für Aktien mit Dividenden wider. Die Aktienkurse von Unternehmen, die Dividende zahlen, haben in diesem Jahr im Schnitt 4,2 Prozent zugelegt, während die Kurse der Unternehmen, die keine Dividende ausschütten, fünf Prozent gefallen sind.

Inzwischen zahlen 20 Prozent aller US-Unternehmen Dividenden, verglichen mit 15 Prozent im Jahr 2001. Und der Trend zur Dividende geht weiter. "Die Anleger wissen, dass eine Dividende sich nicht in ihren Händen in Luft auflösen kann", kommentierte David Ikenberry, einer der Autoren der Studie.

Der Druck vonseiten der Investoren auf die Unternehmen, Dividenden zu zahlen, verstärkte sich, nachdem die US-Regierung im Mai 2003 den Spitzensteuersatz für Dividenden von 39 auf 15 Prozent gesenkt hatte. Daraufhin haben zahlreiche Unternehmen, unter ihnen Intel, Viacom und AT&T, Dividenden eingeführt oder aufgestockt. In diesem Jahr zahlen neun Unternehmen im Benchmarkindex S&P 500 erstmals eine Dividende, 151 haben die Dividende angehoben.

Microsoft in Zahlen

Am Donnerstag nach Börsenschluss präsentierte der Softwareriese seine Zahlen: Im vierten Geschäftsquartal des Geschäftsjahres 2003/04 (per Ende Juni) hat Microsoft dank anhaltend starker Verkäufe von PCs seinen Gewinn um mehr als 80 Prozent gesteigert. Microsoft warnte am Donnerstag nach US-Börsenschluss jedoch, dass die PC-Verkäufe im laufenden ersten Quartal des Geschäftsjahres 2004/05 unter den für das Gesamtjahr vorhergesagten sieben bis neun Prozent liegen werde.

Zudem hätten die Ergebnisse des Fiskaljahrs 2004 von langfristigen Verträgen profitiert. Microsoft-Aktien fielen nach Börsenschluss zunächst um bis zu fünf Prozent, erholte sich dann aber.

Im Gesamtjahr 2003/04 setzte Microsoft 36,8 (32,2) Mrd. Dollar um und verdiente 8,2 (7,5) Mrd. Dollar. Für das Gesamtjahr 2004/05 geht Microsoft von einem Umsatz von 38,4 bis 38,8 Mrd. Dollar und von einem Gewinn von 1,05 Dollar bis 1,08 Dollar je Aktie aus. Darin seien sechs Cent je Aktie Sonderbelastung für Mitarbeiterentlohnung in Form von Aktien enthalten. (Bloomberg, kbau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.7.2004)

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