Medienkonzentration in Europa oft an Grenze des Gesetzlichen

27. Juli 2004, 13:12
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Studie von David Ward - Vor allem auf dem Fernsehmarkt - Italien am stärksten betroffen

Die Medienkonzentration erreicht in vielen europäischen Ländern die gesetzlichen Grenzen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des ehemaligen stellvertretenden Generaldirektors des in Düsseldorf ansässigen Europäischen Medieninstituts (EIM), David Ward. Besonders schnell schreitet der Konzentrationsprozess demnach im Rundfunk voran. Am stärksten betroffen ist der italienische TV-Markt, gefolgt vom deutschen.

Länderübergreifender Vergleich

Ward erstellte im Auftrag der niederländischen Medienaufsicht (Commissariaat voor de Media) den ersten länderübergreifenden Vergleich für zehn westeuropäische Medienmärkte. "Die Zuschaueranteile in Deutschland sind voll konzentriert auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die RTL-Gruppe und die ProSiebenSat.1-Gruppe. Für den ganzen Rest, die Vielzahl der Veranstalter, bleiben nur rund acht Prozent. Das zeigt die Konzentration ganz deutlich", erläuterte Bernd Malzanini, der als Vertreter der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) an der Studie mitarbeitete in einer Aussendung am Mittwoch.

Keine Änderung durch Digitalisierung

Durch Digitalisierung entstehende zusätzlichen Programmplätze würden nichts an der Situation ändern, so Malzanini. "Wir werden auch künftig die Situation haben, dass die finanzstarken Gruppen mit ihren Programmen expandieren. Alle Newcomer, wenn sie überhaupt die finanziellen Möglichkeiten haben, werden es immer schwer haben."

In Italien beherrscht der amtierende Ministerpräsident Silvio Berlusconi seit mehr als 20 Jahren das Privatfernsehen. Die Italiener verdanken ihm zwar das Ende des Staatsrundfunk-Monopols der RAI, aber auf Grund von Berlusconis Regierungsamtes auch eine als bedenklich geltende Verquickung zwischen Politik und Medien.

Berlusconi kontrolliert über die Familienholding Fininvest bzw. deren Subfirma Mediaset die drei national ausgestrahlten Fernsehsender Canale 5, Rete 4 und Italia 1. Über Mediaset kontrolliert er außerdem Publitalia, die größte Werbeagentur im Land. Hinzu kommen zahlreiche Verlagsgruppen wie Mondadori, Einaudi und Sperling & Kupter, die Tageszeitungen, Wochenzeitschriften und Bücher herausgeben. (APA)

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