Mord auf der Yacht: Bedingte Entlassung

22. Juli 2004, 11:03
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Australische Justiz kontaktierte Österreich

Jener Mordfall aus dem Jahr 1990, zu dem bis heute die Leichen eines verschwundenen Paares fehlen, wird auch nach der Entlassung des Österreichers, der 15 Jahre wegen Doppelmordes in Australien absaß, geheimnisvoll bleiben. Dass Johann Manfred W. kürzlich bedingt entlassen wurde und vor zwei Wochen nach Österreich zurückkehrte, wo er sich bei den Grazer Justizbehörden meldete, sorgte für Spekulationen über dessen Unschuld. Diese hatte der heute 40-jährige Steirer tatsächlich bis zuletzt beteuert.

Doch wie sich der Fall nun darstellt, wurde W. aus dem Gefängnis in Brisbane nicht entlassen, weil neue Fakten seine Unschuld beweisen konnten, sondern weil er alle Auflagen für eine bedingte Entlassung seit September 2003 erfüllt hatte.

Seit Herbst informiert

Oberstaatsanwalt Stefan Benner vom Justizministerium sagte zum STANDARD, dass sich die australische Justizbehörde bereits im Herbst 2003 an die österreichischen Kollegen gewandt hatte, um zu erfahren, ob Österreich die weitere Vollstreckung der Haft übernehmen wolle. "Wir haben geantwortet, dass wir das erst entscheiden wollen, sobald klar ist, ob Herr W. begnadigt wird oder nicht", erklärt Benner.

Johann Manfred W. wurde wegen der Ermordung der schwangeren Britin Susan Zack und ihres Salzburger Freundes Hartwig Rüdiger Bayerl auf dessen Yacht verurteilt. Ob die nun erfolgte Entlassung Rückenwind von immer wieder auftauchenden Meldungen aus Österreich, wonach Bayerl hier lebend gesehen worden sei, bekommen haben könnte, will Benner "in keiner Weise beurteilen".

Die genauen Auflagen der Entlassung des Verurteilten liegen noch nicht vor, wie der Leiter der Grazer Staatsanwaltschaft Horst Sigl betont, denn "die Papiere müssen erst übersetzt werden". Sollte des Österreichers neu erworbene Freiheit einer Probezeit unterliegen, seien bei einer strafbaren Handlung in dieser Zeit wieder die australischen Behörden für den Widerruf der bedingten Entlassung zuständig, so Sigl. Österreich könne dabei Hilfe leisten. (cms/DER STANDARD; Printausgabe, 21.7.2004)

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