Pensionierter Personalchef Moldaschl: Der "heimliche" Drahtzieher

28. Juli 2004, 11:39
41 Postings

Der Jurist war seine ganze Berufszeit lang ÖBB-Personalist - Mit dem neuen Vorstand gab es immer "klimatische Probleme"

Wien - 47.009 Mitarbeiter haben die ÖBB. Nur die Personalchefs von Spar und Billa haben genau so viele Mitarbeiter unter sich wie Wolfgang Moldaschl. Der 47-jährige Sohn eines Eisenbahners war seine gesamte berufliche Laufbahn über ÖBB-Personalist. Nach Abschluss seines Jus-Studiums wechselte der gebürtige Waldviertler direkt in die Personalabteilung der Bundesbahnen. Vor knapp zehn Jahren wurde er vom damaligen ÖBB-Generaldirektor Helmut Draxler zum Personal-Chef ernannt, seit 1999 war er auch Prokurist. Mit Draxlers Nachfolger, dem Deutschen Rüdiger vorm Walde, soll sich Moldaschl nie verstanden haben. Per 1. Oktober hat ihn der Vorstand in Frühpension geschickt.

Vorstand "regelrecht vor sich hergetrieben haben"

Seit dem Wechsel in der ÖBB-Führung galt Moldaschl als ein heimlicher Drahtzieher in den ÖBB. Gemeinsam mit Eisenbahnergewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl soll er den Vorstand dank seines Fachwissens "regelrecht vor sich hergetrieben haben", meint ein Bahnmanager. Aus Regierungskreisen wird Moldaschl zugestanden, dass er sich "in den Dienstrechtsverhandlungen sehr konstruktiv eingebracht" hätte und eine "Brückenfunktion zur Gewerkschaft" gehabt habe. Die "klimatischen Probleme" mit dem Vorstand seien aber "offenkundig" gewesen. Moldaschl soll dem Vorstand "öffentlich sämtliche Kompetenz abgesprochen haben" und den Vorstand einmal sogar aus seinem Büro komplimentiert haben.

Offiziell heißt die Begründung des Vorstands für die Abberufung Moldaschls: Unüberbrückbare Auffassungsunterschiede über die neue Bahnstruktur. Die Gewerkschaft spricht hingegen von "Politmobbing" - Moldaschl war Mitglied beim Bund sozialdemokratischer Akademiker (BSA). Die Regierung weist jeden politischen Zusammenhang zurück.

Mehrere Posten warten auf Besetzung

Durch den Abgang Moldaschls wird jedenfalls gleich eine Reihe von Posten frei: Als ÖBB-Personalchef saß der Manager auch im Präsidium der Eisenbahnerversicherung, im Aufsichtsrat der Beamtenversicherung und im Aufsichtsrat der Postbus AG. Zudem war Moldaschl Geschäftsführer in der ÖBB-Management Service & Consulting GmbH - einer Beratungstochter der ÖBB - und vor allem auch als Chef der neuen ÖBB-Dienstleistungs GmbH vorgesehen, die in Zukunft die Personalagenden der ÖBB übernehmen soll.

Wer Moldaschl in diesen Funktionen nachfolgen wird, ist noch offen. Die Zeit drängt angesichts der laufenden Bahnreform, die bis Jahresende abgeschlossen werden soll. Moldaschl ist bereits seit Anfang dieser Woche dienstfrei gestellt. (APA)

Share if you care.