Sterben, ein Leben lang

19. Juli 2004, 20:32
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Beinahe eine lokale Kultstätte des zeitge­nössischen Theaters: k.l.a.s. inszenierte Peter Handkes Erfolgsroman "Wunschloses Unglück"

Die Burgruine in der Nähe Völkermarkts gilt mittlerweile beinahe als lokale Kultstätte des zeitgenössischen Theaters. In den letzten Jahren lag der Schwerpunkt des k.l.a.s.-Teams auf den Werken des englischen Dramatikers Howard Barker. Zum heurigen zehnjährigen Bühnenjubiläum kommt die Bühnenversion von Handkes Erfolgsroman Wunschloses Unglück in der Bearbeitung von Reinhard Urbach und Klaus Höring zur Aufführung.

Der formale Realismus der Vorlage sollte für weitere Entwicklungsstufen der Betrachtung und Reflexion sorgen, wenngleich die im Jahre 1972 veröffentlichte Auseinandersetzung mit dem Freitod der Mutter in ihrer Intimität wenig Ansätze zur szenischen Aufbereitung bietet. Zu einem minimalistischen Bühnenbild, das in seiner trostlosen Kargheit (schwarz foliierter, unter Wasser stehender Boden) der Intention der biografischen Aufarbeitung sehr nahe kommt, gesellen sich zwei "Erzähler" in der Gestalt des Autors bzw. seiner Mutter. Claudia Martini und Max Mayer agieren als versierte Vortragende im Stile von "Vorlesenden", kein einziger Dialog bereichert das Geschehen! Eine Dramatisierung der Handlung hätte dem Duktus des Textes eventuell mehr Nachdruck verliehen!

Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die Romanvorlage dem "gespielten" Bühnengeschehen an Nachdrücklichkeit und Authentizität überlegen ist: Zu statisch, teilweise erzwungen wirkt die willkürliche Auftrennung des Geschilderten auf zwei "handelnde" Personen. Lähmend der Versuch einer Inszenierung, wo es nichts zu inszenieren gibt! Handkes Ratlosigkeit, dem Tod seiner Mutter zu begegnen, verliert durch die Hinzunahme einer zweiten "Erzählebene" an Aussagekraft und Sensibilität. So sympathisch das Engagement aller Mitarbeiter ist, das "Nacherzählen" von Prosa reicht für ein Theaterstück nicht aus, auch wenn der Ort des realen Geschehens nur wenige Kilometer entfernt liegt! (bay/DER STANDARD, Printausgabe, 20.7.2004)

Heunburg in Haimburg bei Völkermarkt/Kärnten
04232/446 07 50
Bis 28. 8.
  • Claudia Martini (Bild) und Max Mayer führen eine nie zum Dialog kommende Rede als Mutter und Sohn.
    foto: k.l.a.s./neumüller

    Claudia Martini (Bild) und Max Mayer führen eine nie zum Dialog kommende Rede als Mutter und Sohn.

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