Synagoge ist wieder "gutes Haus"

19. Juli 2004, 22:24
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Studenten eröffnen das in Stand gesetzte Gotteshaus in Hohenems

Manchmal sind es ganz kleine Symbole, die von großen Veränderungen zeugen. Wie jene winzige Mesusa am Türrahmen der früheren Hohenemser Synagoge. Seit Freitag ist das mittlerweile renovierte Barockgebäude wieder "ein gutes Haus für Juden", wie Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museums, erläutert. Und dies symbolisiert die Mesusa, eine Schriftkapsel mit Tora-Abschnitten.

50 Jahre lang wurde das Gebetshaus als Feuerwehrhaus zweckentfremdet. Nichts sollte auf die frühere Nutzung und die vertriebene jüdische Gemeinde hinweisen. Mit dem Beginn des neuen Jahrtausends begann man in Hohenems umzudenken. Die Feuerwehr musste umziehen, die Synagoge wurde von Bausünden befreit und soll ab Herbst wieder kulturell genutzt werden; von der Musikschule und vom benachbarten Jüdischen Museum.

"Spannender Diskussionsprozess"

Ein Gruppe jüdischer Studenten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zog am Schabbat mit der Torarolle in die Synagoge ein, um den jüdischen Ruhetag mit dem traditionellen Gebet zu beginnen. Zum ersten Mal seit 1938 wurde die Synagoge wieder als Gebetsraum genutzt. "Ein bewegender Moment für uns alle", umschrieb Loewy, was aus den Gesichtern der Feierenden abzulesen war.

Die inoffizielle Eröffnung war Teil einer Tagung des Bundesverbands Jüdischer Studenten in Deutschland. Rund 50 Teilnehmer diskutierten drei Tage lang mit Experten über Leben und Wirken Theodor Herzls und nicht zuletzt über die aktuelle Bedeutung des Zionismus in Europa und in Israel. "Ein unglaublich spannender Diskussionsprozess, der in der Frage, wie Israel zu einer westlichen Demokratie werden könnte, endete", bilanziert Loewy. (jub/DER STANDARD; Printausgabe, 19.7.2004)

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