Krenn-Schüler vor dem Staatsanwalt

19. Juli 2004, 20:57
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Ein Desktop und mehrere Laptops stehen im Mittelpunkt der Erhebungen um den Kinderpornoverdacht im St. Pöltner Priesterseminar

Offensichtlich ist die Polizei im St. Pöltner Priesterseminar bei den Untersuchungen nach Kinderpornos fündig geworden. Laut Staatsanwaltschaft gebe es auch neue Anzeigen wegen sexueller Übergriffe gegenüber Minderjährigen. Die Ermittlungen sind im Laufen.

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St. Pölten/Wien - Ein Desktop und mehrere Laptops stehen im Mittelpunkt der Erhebungen um den Kinderpornoverdacht im St. Pöltner Priesterseminar. Der Desktop wurde schon im vergangenen Herbst konfisziert, die Laptops gehören jenen acht Seminaristen, die laut Walter Nemec, Leiter der Staatsanwaltschaft St. Pölten, "alle in die Ermittlungen einbezogen worden sind".

"Auf der Festplatte des fix installierten Computers wurden abgespeicherte Kinderpornofotos aus dem Internet gefunden. Die Frage ist jetzt, ob sich auf den in den vergangenen Wochen konfiszierten Laptops ebenfalls solche Bilder befinden", schildert Nemec. Dass der Hauptverdacht laut polizeilichen Insiderinformationen auf einem polnischen Priesterschüler lastet, bestätigte er im STANDARD-Gespräch nicht.

Vielmehr - so Nemec - werde Journalstaatsanwalt Max Gruber übers Wochenende die polizeilichen Ermittlungsergebnisse studieren, die dem Gericht Freitagnachmittag übermittelt wurden. Am Montag werde man entscheiden, ob und wenn ja gegen wie viele der Verdächtigen Strafantrag wegen Paragraf 207a ("Pornografische Darstellung mit Unmündigen") gestellt wird.

Strafrahmen

Auf dieses Delikt stehen seit 1. Mai 2004 bis zu zwei Jahre Haft. Dieser Strafrahmen könnte im Fall St. Pölten unterschritten werden: Laut Nemec ist es durchaus möglich, "dass der Tatzeitraum davor anzusetzen ist". Vor der Novellierung der Sexualstrafgesetze im Mai lautet die Höchststrafe wegen Paragraf 207a sechs Monate Gefängnis.

In Sachen Priesterausbildung, bei der man in St. Pölten wie berichtet eigene Wege beschritt, meldete sich am Freitag der Regens des Grazer Priesterseminars, Franz Josef Rauch, zu Wort: "Man darf die St. Pöltner Vorgänge nicht generalisieren", sagte er in einem Interview für das steirische Sonntagsblatt. Ein "detailliertes Aufnahmeverfahren" und ein "gemeinsames Einführungsjahr" gewährleisteten in der Regel die "menschliche Reifung" der Kandidaten.

Trotz solcher Versicherungen reagieren die Gläubigen aber offenbar mit Rückzug: In Wien stieg die Zahl von Kirchenaustritten in den vergangenen Tagen um 20 bis 30 Prozent. (bri, DER STANDARD Printausgabe 17.7.2004)

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