Max Strauß zu hoher Haftstrafe verurteilt

16. Juli 2004, 16:07
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Sohn des langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten soll wegen Steuerhinterziehung drei Jahre hinter Gitter

Das Landgericht Augsburg hat den Sohn des langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Joseph Strauß, Max, wegen Steuerhinterziehung zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Max Strauß nahm das Urteil nicht an.

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Die Nachricht verbreitete sich in Bayern wie ein Lauffeuer: Mit einem Knalleffekt endete der Prozess gegen Max Strauß nach sechs Monaten Dauer am Donnerstag: Der Sohn des verstorbenen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Joseph Strauß (CSU) wurde vom Augsburger Gericht wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Richter bedauerte, dass er keine Bewährungsstrafe aussprechen konnte: "Sie hätten ein Geständnis ablegen müssen", sagte Richter Max Hochreiter.

Die Verteidigung kündigte nach diesem auch für Beobachter überraschend hohen Strafmaß an, in die Revision zu gehen. Der Urteilsspruch liegt nur knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die dreieinhalb Jahre Haft gefordert hatte, während die Verteidiger von Strauß einen Freispruch für angemessen hielten. Der 45-Jährige hatte zudem psychische Probleme geltend gemacht, wovon sich das Gericht aber nicht beeindrucken ließ.

Der psychisch angeschlagene Max Strauß nahm das Urteil äußerlich gelassen auf. Bullig und fast regungslos saß er in sich zusammengesunken auf der Anklagebank. Nur gelegentlich ging ohne ersichtlichen Grund ein breites Grinsen über das Gesicht. "Mein Mandant ist tief betroffen, auch wenn er nicht unbedingt den Eindruck macht", versichert Anwalt Wolfgang Dingfelder später.

Die Urteilsverkündigung wird wohl auch in Kanada mit Aufmerksamkeit verfolgt. Dort befindet sich der bayerische Waffenhändler Karlheinz Schreiber. Strauß hat von ihm, so das Gericht, umgerechnet 2,6 Millionen Euro Provision erhalten und nicht versteuert. Nach Ansicht der Anklage stammen die Provisionen aus Airbus- und Panzergeschäften mit Kanada, Thailand und Saudi-Arabien. Schreiber habe das Geld für Strauß auf das Schweizer Nummernkonto "Maxwell" überwiesen und treuhänderisch verwaltet, sagte der Staatsanwalt.

Am Donnerstag war noch nicht klar, ob es überhaupt einen Urteilsspruch geben wird. Denn wie berichtet ist am Dienstag unmittelbar vor Prozessende der seit fünf Jahren international gesuchte ehemalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium, der CSU-Politiker Ludwig-Holger Pfahls, in Paris festgenommen worden.

Er gilt neben Schreiber als weitere Schlüsselfigur bei den Finanzgeschäften. Aber sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft verzichteten auf eine Vernehmung von Ludwig-Holger Pfahls.

Schlaganfälle

Pfahls, der mehrere Schlaganfälle erlitten haben soll, sitzt in Paris in Haft. Mit seiner Rückkehr nach Deutschland wird in den nächsten Tagen gerechnet. Angesichts seines schlechten Gesundheitszustandes nehmen deutsche Ermittlungskreise an, dass der 61-Jährige "auspackt". Damit könnte auch Altkanzler Helmut Kohl in Bedrängnis kommen, der die Namen der Spender, die umgerechnet mehr als eine Million Euro für die CDU gespendet haben, nicht nennt.

Es besteht der Verdacht, dass es sich bei den Zuwendungen um Bestechungsgelder für ein Panzergeschäft nach Saudi-Arabien handelt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2004)

Alexandra Föderl-Schmid aus München

Kopf des Tages

Der kranke Sohn eines einst mächtigen Vaters

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    Max Strauß lachte nach dem Urteil zwar unkontrolliert, doch seine Lage sei dem schwer depressiven Sohn von Franz Joseph Strauß durchaus bewusst, erklärte seine Verteidigung.

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