Schwarzenegger traf Wiesenthal

16. Juli 2004, 15:08
4 Postings

Diskrete Begegnung in Wien am Rande des Klestil-Begräbnisse - Spekulationen in den USA über die Vergangenheit

Graz/Sacramento - Als der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger am vergangenen Wochenende die amerikanische Regierung beim Begräbnis von Bundespräsident Thomas Klestil vertrat, begleiteten hiesige Medien auch seinen Kurzbesuch in der früheren Heimatstadt Graz mit gebührender Aufmerksamkeit. So kam etwa bei Schwarzeneggers Frühstück in der Burg mit Landeshauptfrau Waltraud Klasnic vergangenen Sonntag "zufällig" der ORF vorbei.

Ein anderer Besuch, den Schwarzenegger tags zuvor einem Freund in Wien abstattete, blieb allerdings hierzulande unerwähnt: Jener bei Simon Wiesenthal, mit dem Schwarzenegger seit Jahren befreundet ist. Der Besuch des Gouverneurs sei schon vor dem Tod Klestils geplant gewesen, gab Wiesenthals Dokumentationszentrum Jüdischer Verfolgter des Naziregimes gegenüber dem STANDARD an. Es sei ein "rein privates Zusammentreffen" gewesen.

Die Kontakte zwischen Schwarzenegger und Wiesenthal lösten in den USA wiederholt Spekulationen über dunkle Flecken in der Vergangenheit der Schwarzenegger-Familie aus und über "Arnies" weitere politische Ambitionen nach der Wahl zum Gouverneur Kaliforniens. Schwarzenegger hatte das Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles 1990 selbst um Nachforschungen über die Aktivitäten seines Vaters Gustav Schwarzenegger während des Naziregimes gebeten.

Schwarzenegger senior, der 1972 verstarb, war Mitglied der SA (Sturmabteilung), sei aber sonst nicht besonders hervorgetreten, ergaben die Nachforschungen. Während Arnold Schwarzeneggers Wahlkampf in Kalifornien 2003 fragten amerikanische Medien dann offen, ob Schwarzenegger, der das Wiesenthal-Center mit großzügigen Spenden unterstützte und 1997 als Dank mit dem "National Leadership Award" des Centers ausgezeichnet wurde, indirekt Schweigegeld bezahlt habe.

Finanziell unterstützt

Schwarzenegger, der seine erste außenpolitische Reise als Gouverneur nach Israel unternahm, hatte das Center tatsächlich schon lange vor seiner politischen Karriere, nämlich ab 1984, finanziell unterstützt. Von seinem Vater hatte er sich stets öffentlich distanziert. Der Mann, der als Schwarzeneggers "Ziehvater" gilt, der ehemalige ÖVP-Bundesrat Alfred Gerstl, ist Katholik mit jüdischen Wurzeln mütterlicherseits und leistete aktiven Widerstand gegen die Nationalsozialisten.

Der 80-jährige Gerstl war es auch, der seinen Schützling vor wenigen Tagen persönlich zum Frühstück bei Klasnic chauffierte. Der Gouverneur hatte seit seiner Wahl im Oktober 2003 die Steiermark nicht mehr beehrt, keinen gesteigerten Wert auf die Teilnahme Klasnics bei seiner Amtseinführung gelegt und im Februar auch nicht eine Delegation des mittlerweile zurückgetretenen Landesrates Herbert Paierl in Sacramento empfangen.

Wie im Februar aus Diplomatenkreisen in Los Angeles zu erfahren war, sorgte die öffentliche Kritik von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner an der Hinrichtung Kevin Coopers für Ärger im kalifornischen Capitol. Denn, so hieß es, zeitgleich mit der österreichischen Petition hatte Ferrero-Waldner in aller Stille um Schwarzeneggers Unterstützung im Wahlkampf um die Hofburg gebeten. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.7.2004)

Von
Colette M. Schmidt
Share if you care.