Land der Hämmer, einfallslos?

28. Juli 2004, 12:48
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Österreichische Ingenieure und Facharbeiter genießen international hohes Ansehen - Bei der Innovation hinken heimische Firmen allerdings hinterher

Wien - Kompetenz und Engagement der heimischen Ingenieure und Facharbeiter werden von in- und ausländischen Investoren hoch geschätzt - die Entwicklung technischer Neuerungen scheint den Österreichern dagegen nicht sehr zu liegen.

Das legt zumindest der jüngste Jahresbericht des Europäischen Patentamts (EPA) nahe. Die Österreicher haben bei der Organisation im vergangenen Jahr rund 1.000 Patente angemeldet - was nur einem Viertel der Einreichungen aus der Pharma-Weltmacht Schweiz und weniger als einem Sechstel der holländischen Anmeldungen entspricht.

Auch Länder wie Finnland oder Schweden haben im vergangenen Jahr relativ (Bevölkerungszahl) und absolut wesentlich mehr technische Innovationen als Euro-Patente angemeldet: Schweden gut 2.500, Nokia-Land Finnland knapp 1.500. Beide skandinavischen Länder haben in den vergangenen sieben Jahren den Anteil ihrer Einreichungen an allen in Europa angemeldeten Erfindungen deutlich anheben können.

Mehr Patente in absoluten Zahlen

Die Österreicher haben 2003 zwar zahlenmäßig deutlich mehr Erfindungen angemeldet als 1996, relativ gesehen stagniert der österreichische Beitrag aber: 1996 machten die österreichischen Anmeldungen 0,83 Prozent aller Euro-Patent-Einreichungen aus, 2003 waren es 0,87 Prozent.

Die Zahlen beziehen sich auf das so genannte Euro-PCT-Verfahren. Das sind internationale Patentanmeldungen etwa bei der zuständigen Weltorganisation (WIPO), für die das Europäische Patentamt zuständig ist.

Aufholprozess

Trotz dieses Befunds sieht Gerhard Riemer, in der Industriellenvereinigung für den Innovation und Forschung zuständig, den Forschungsstandort im Aufwind: "Wir befinden uns ohne Frage in einem Aufholprozess". Die Forschungsquote (Anteil der F&E-Ausgaben an der Wirtschaftsleistung) wird heuer 2,27 Prozent erreichen und liegt damit über dem europäischen Durchschnitt.

Um Anschluss an die Spitzengruppe zu finden, müssten in Österreich aber die Ergebnisse der Forschung rascher in die Praxis umgesetzt werden. Headquarters, vor allem aber Kompetenzzentren müssten stärker gefördert werden, meint man in der IV.

Kompetenzzentren

Dass Österreich kaum über Weltkonzerne wie Nestle oder Nokia verfügt, kann wettgemacht werden, meint Riemer: Indem etwa die Ansiedlung von hoch innovativen Kompetenzzentren bzw. High-tech-Produktionen internationaler Konzerne gefördert werde.

Als Beispiel dafür führt Riemer Philips an. Der niederländische Konzern hat in Wien die kapitalintensive High-Tech-Produktion von Handy-Lautsprechern angesiedelt (und im übrigen die Billigproduktion für Videorecorder geschlossen). Mittlerweile wird weltweit jedes zweite Mobiltelefon mit einem solchen Mini-Lautsprecher der Philips-Tochter mit Sitz in Österreich ausgestattet.

Optimismus im Wirtschaftsleben

Trotz ihres Rückstands gegenüber anderen europäischen Ländern haben die Österreicher im vergangenen Jahr freilich spürbar mehr Erfindungen eingereicht, was das Österreichische Patentamt in seinem Jahresbericht als "Indikator für mehr Optimismus im "Wirtschaftsleben" wertet.

Gegenüber 2002 sind im vergangenen Jahr um gut acht Prozent mehr technische Erfindungen angemeldet worden. Entsprechend der österreichischen Industriestruktur beziehen sich die meisten Anmeldungen auf die Bereiche "täglicher Lebensbedarf", "Arbeitsverfahren", auf das Bauwesen und den Transport. (APA)

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    Die Forschungsquote in Österreich wird heuer 2,27 Prozent erreichen und liegt damit über dem europäischen Durchschnitt.

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