Bombenanschlag am "Tag der Revolution"

15. Juli 2004, 20:26
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Tote in Bagdad - Manila zieht Soldaten ab

Zum ersten Mal seit der formalen Machtübergabe am 28. Juni ist Bagdad am Mittwoch von einem Selbstmordanschlag erschüttert worden. Elf Menschen starben, darunter sieben Zivilisten und drei irakische Nationalgardisten. 30 Personen wurden verletzt, als sich der Attentäter mit seinem Auto und 500 Kilo Sprengstoff am Eingang zur Grünen Zone in die Luft sprengte.

Innerhalb der von Betonmauern umgebenen Grünen Zone liegen der Sitz der irakischen Übergangsregierung und die US-Botschaft. Anschläge an den Eingängen der Zone sind besonders perfide, weil sich dort jeden Morgen Hunderte Iraker anstellen, um Arbeit in der Zone zu bekommen.

Übergangspremier Iyad Allawi suchte wenige Stunden nach der Explosion den Anschlagsort auf und erklärte, die Tat stehe im Zusammenhang mit dem jüngsten Schlag irakischer Sicherheitskräfte gegen die Kriminalität. Tatsächlich hatten lokale Sicherheitskräfte in der Nacht zum Dienstag erstmals ohne US-Truppenhilfe eine große Razzia im berüchtigten Bagdader Innenstadtviertel Bab al Sheikh durchgeführt und rund 500 mutmaßliche Kriminelle festgenommen.

Trotzdem halten es Beobachter für unwahrscheinlich, dass das organisierte Verbrechen auf diese Weise zurückschlug. Der Anschlag trug zu sehr die Handschrift islamistischer Terroristen. Immer wieder nahmen diese in den vergangen Monaten symbolische Ziele aufs Korn - und symbolische Bedeutung genießt auch der 14. Juli im Irak, zumal er von Allawis Regierung noch am Vortag erneut zum Staatsfeiertag erklärt worden war.

Am 14. Juli 1958 stürzte eine Gruppe nationalistischer Offiziere die von Großbritannien gestützte Monarchie und rief die Republik aus. Das daraufhin installierte Regime von Abdelkarim al Kassim war die erste in einer Serie von Militärregierungen, bis am 17. Juli 1968 Saddams Baath-Partei die Herrschaft an sich riss.

Manila startet Abzug

Die Philippinen haben indes am Mittwoch mit dem Abzug ihrer Truppen aus dem Irak begonnen. Wie bekannt wurde, haben acht der 51 Angehörigen des philippinischen Kontingents das Land verlassen. Manila hatte erst Dienstag angekündigt, seine Truppen vorzeitig abzuziehen, weil irakische Entführer eines philippinischen Lastwagenfahrers mit der Enthauptung ihrer Geisel gedroht hatten.

Im Gegensatz zur Reaktion Manilas will die bulgarische Regierung ihre Truppen weiterhin im Irak belassen, obwohl in der Nacht auf Mittwoch ein entführter Bulgare von seinen Geiselnehmern enthauptet worden war. Die Kidnapper drohten sogar mit der Ermordung einer zweiten bulgarischen Geisel, sollte Sofia seine Truppen nicht umgehend abziehen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.7.2004)

Gregor Mayer aus Bagdad
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