Sodom und Gomorra in St.Pölten

2. September 2004, 18:48
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Wenn die katholische Kirche an etwas zugrunde geht, dann am Kindesmissbrauch durch Priester und hohe Geistliche in Verbindung mit Homosexualität

Wenn die katholische Kirche in Europa nach 2000 Jahren an etwas zugrunde geht, dann am Kindesmissbrauch durch Priester und hohe Geistliche in Verbindung mit Homosexualität.

Im Priesterseminar zu St. Pölten kam es unter Seminaristen sowie Priesterschülern und Vorgesetzten zu öffentlichen homosexuellen Handlungen, die auch noch fotografiert wurden. Gleichzeitig fanden die Behörden auf dem Server der kirchlichen Ausbildungsinstitution Zehntausende pornografische Fotos, teilweise auch Kinderporno. Die Fotos in profil zeigen Seminaristen beim intensiven Küssen und den Leiter des Seminars, der einem Priesterschüler in den Schritt greift. Schlimmeres "Material" liegt laut profil bei den Behörden.

Homosexuelle Subkultur

Homosexualität unter Erwachsenen ist nicht strafbar. Aber wenn in der Kirche eine homosexuelle Subkultur entsteht, dann muss nicht nur die Kirche, sondern auch die Gesellschaft alarmiert sein. Da entstehen Abhängigkeiten, unterirdische Verbindungen, ein untragbares Cliquenwesen. Der Besitz von Kinderpornos ist hingegen strafbar.

Der unselige Bischof Kurt Krenn von St. Pölten reagiert jedoch, wie es von ihm nicht anders zu erwarten ist, aber trotzdem unfassbar: Das seien "Buben- Dummheiten" bei einer Weihnachtsfeier (!), die nichts mit Homosexualität zu tun hätten. Angesichts dieser Verblendung ist zu erwarten – aber nicht sehr wahrscheinlich –, dass Krenn von der einzigen Instanz, die das kann, nämlich von Rom, sofort abgelöst wird. Krenn kann entweder Verstöße gegen Strafrecht und Glaubenslehre nicht wahrnehmen, oder er deckt sie – wie schon bei den Missbrauchsvorwürfen gegen den verstorbenen Kardinal Gro¨er. Die Erklärung für dieses Verhalten ist nicht schwer zu finden: Krenn ist ein autoritärer Reaktionär, für den das Kirchenvolk zu schweigen und zu beten hat bzw. der sich nach den Zeiten zurücksehnt, als die Kirche mit ihren Vorschriften die Gesellschaft beherrschte.

Sexualmoral

In einem solchen Weltbild sind sexuelle Missbräuche und Verstöße gegen die kirchliche Sexualmoral durch Geistliche entweder einfach nicht wahr und nur eine "Kampagne meiner Feinde", oder sie haben um des größeren Heiles der Kirche willen geleugnet und unterdrückt zu werden. Wenn jedoch die katholische Kirche Österreichs will, dass noch irgendwer seine Kinder entweder in ein Konvikt oder auch nur eine katholische Privatschule schickt; wenn sie will, dass die Ermahnungen von der Kanzel nicht mit zornigem Gelächter quittiert werden, dann müssen Kardinal Schönborn und der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Grazer Erzbischof Egon Kapellari, nach Rom reisen und dort deponieren: "Erlöst uns schleunigst von diesem Bischof!"

Gerade Schönborn hat in den letzten Tagen rund um Bundespräsident Klestils Ableben gezeigt, dass man als höchster Kirchenfunktionär des Landes eine Rolle als moralische Autorität übernehmen kann. Er sagte zu Recht, Klestil sei zu Lebzeiten ungerecht behandelt worden, erst jetzt, nach Krankheit und Tod, feiere man ihn überschwänglich. Beim Requiem sprach Schönborn leise selbstkritisch das Problem der geschiedenen Wiederverheirateten in der Kirche an.

Zudem hatte er dafür gesorgt, dass die erste Ehefrau Edith an würdiger Stelle am Gottesdienst teilnehmen konnte und so die gegenseitige Blockade anscheinender Unversöhnlichkeit durchbrochen. Das droht völlig unterzugehen, wenn er – obwohl formal nicht direkt zuständig – nichts gegen Sodom und Gomorra in St. Pölten unternimmt. (Hans Rauscher, Der Standard, Printausgabe, 13.07.2004)

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