Frankreich: Antisemitischer Angriff auf Frau im Zug

11. Juli 2004, 20:11
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Jugendliche griffen eine 23-Jährige an, die sie für eine Jüdin hielten - Scharfe Verurteilung des Parlaments

Paris - Eine junge Mutter mit ihrem Baby ist in einem Vorortzug von Paris Opfer eines rassistischen Angriffs geworden. Sechs mit Messern bewaffnete Jugendliche schlitzen die Kleider der 23-Jährigen auf, die sie für eine Jüdin hielten. Dann schnitten sie ihre Haare ab und zeichneten mit einem Filzstift Hakenkreuze auf ihren Bauch, hieß es nach Angaben aus Polizeikreisen von Sonntag. Bei der Flucht stürzten sie den Kinderwagen um Im Zug griff keiner der übrigen Fahrgäste ein, um der terrorisierten Frau zu helfen.

Der französische Präsident Jacques Chirac äußerte sich entsetzt über diesen "furchtbaren Angriff" und forderte eine "besonders strenge Bestrafung" der Täter. Nach einer neuen Bilanz der Regierung wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres mit über 500 Taten mehr antisemitische und rassistische Angriffe und Bedrohungen registriert als im gesamten Jahr 2003.

Die am Sonntag in einer Sondersitzung vereinte französische Nationalversammlung hat den rassistischen Angriff auf eine junge Frau und ihr Kleinkind in einem Vorstadtzug RER nördlich von Paris einstimmig verurteilt. Der Präsident der Nationalversammlung, Jean-Louis Debré (UMP) äußerte im Namen aller Parlamentarier die Entrüstung gegenüber diesen "unwürdigen Akten" Ausdruck.

"Frankreich kann nicht passiv solche Handlungen hinnehmen, denn es ist die Seele und die Tradition unseres Landes, die angegriffen werden", sagte der ehemalige Innenminister weiter. Gesundheitsminister Philippe Douste-Blazy (UMP), der sich an der Parlamentssitzung beteiligte, verurteilte den rassistischen Akt im Namen der Regierung. Der Verurteilung schlossen sich auch die oppositionellen Sozialisten und Kommunisten an. (APA)

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