Anfrage aus Wien zu Fourniret

5. Oktober 2006, 16:12
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Der Serientäter fuhr einen weißen Kleinbus, ein solcher taucht auch im Fall der verschwundenen Natascha Kampusch auf

Reims/Brüssel/Wien - Im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Serienmörder Michel Fourniret laufen bei den Behörden in Frankreich und Belgien viele ausländische Anfragen zu offenen Vermisstenfällen ein. Nach Dänemark und den Niederlanden hat auch Österreich offiziell ein Ermittlungsansuchen gestellt.

Es betrifft die 1998 im Alter von zehn Jahren verschwundene Schülerin Natascha Kampusch.

Erstes Opfer identifiziert

Eines der Opfer des geständigen Fourniret wurde durch eine gerichtsmedizinische Untersuchung eindeutig identifiziert. Es steht nun fest, dass die voriges Wochenende auf Schloss Sautou in den Ardennen ausgegrabenen sterblichen Überreste der 1989 ermordeten 22-jährigen französischen Studentin Jeanne-Marie Desramault stammen, gab der Staatsanwalt von Reims, Yves Charpenel, bekannt.

An der Autopsie einer zweiten dort ausgegrabenen Leiche wurde noch gearbeitet. Nach den bisherigen Geständnissen Fournirets handelt es sich um die damals zwölfjährige Elisabeth Brichet, die ebenfalls 1989 ermordet worden war.

Fourniret schweigt

Bei einem dreieinhalbstündigen Verhör am Donnerstag lieferte Fourniret nach Angaben der belgischen Staatsanwaltschaft keine "neuen Elemente". Die Behörden in Belgien und Frankreich gehen davon aus, dass der Serienmörder noch weit mehr Menschen auf dem Gewissen haben könnte als die neun bislang eingestandenen Morde.

Nichts unversucht

Das österreichische Bundeskriminalamt (BK) lässt prüfen, ob es einen möglichen Zusammenhang mit dem Verschwinden der Wiener Schülerin Natascha Kampusch gibt. Es handle sich um eine "Routineanfrage", sagte dazu am Freitag Kripochef Erich Zwettler.

Wie DER STANDARD berichtete, hat Michel Fourniret angegeben, öfters im europäischen Ausland unterwegs gewesen zu sein. Dabei fuhr er mitunter einen weißen Kastenwagen. Auch im Fall Kampusch war ein solches Fahrzeug aufgetaucht.

"Es gibt in Europa Tausende weiße Kastenwagen, das kann man zwar nicht als starkes Indiz bezeichnen", meinte Zwettler, "aber wir lassen nichts unversucht." Der Fall Kampusch sei einmalig in der österreichischen Kriminalgeschichte. (APA, dpa, simo, DER STANDARD Printausgabe 10.7.2004)

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