OeNB-Banknotendrucker unter Druck

14. Juli 2004, 19:56
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Ein Millionenauftrag aus Singapur wurde von der OeNB-Druckerei fast verpfuscht, jetzt setzt es Kündigungen und Sparkurs - mit Kommentar

Wien - Die Banknotendruckerei der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) kämpft mit höchst peinsamen wirtschaftlichen Problemen. Die Oesterreichische Banknoten- und Sicherheitsdruckerei GmbH (OeBS), eine hundertprozentige Tochter der Notenbank, wurde 1998 ausgegliedert. Seither manifestiert sich ein Mangel an Aufträgen: 2003 haben die Gelddrucker bei einem überschaubaren Umsatz von rund 26 Millionen Euro einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe eingefahren.

Kostensenkungsprogramm

Jetzt wurden die Produktivitätsberater von Czipin & Partner ins Haus geholt: Die Folge ist ein Kostensenkungsprogramm von rund 4,5 Mio. Euro. Und: Rund 80 von derzeit 300 Mitarbeitern werden das Unternehmen verlassen müssen. Kündigungen sind zwar noch nicht ausgesprochen, stehen aber bevor. Rund 40 Mitarbeiter müssen in die OeNB zurück, sie waren an die Druckerei nur verliehen.

Verschärft hat sich die Situation ausgerechnet durch den ersten Großauftrag, den die ehemaligen Notenbank-Drucker im Herbst nach einer internationalen Ausschreibung gewonnen hatten. Denn mit ihren Aufträgen von der Europäischen Zentralbank, für die sie jedes Jahr eine bestimmte Quote an Euronoten produzierten (heuer im Wert von 51 Mio. Euro) ist sozusagen nur ihr Brot. Die Butter darauf sollten Fremdaufträge sein. Da ist die Konkurrenz aber hart: Der Markt ist von etablierten Unternehmen wie De La Rue oder den Giesecke & Devrient dominiert.

Singapur-Debakel

Der Auftrag aus Singapur kam also gerade recht: Eine halbe Milliarde Singapur-Dollar-Scheine sind bis Jahresende zu machen. Auftragsvolumen: rund 20 Mio. Euro. Doch massive Abwicklungsprobleme und eine äußerst enge Kalkulation ließen den Deal fast zum Fiasko werden: Fakturiert wird in Singapur-Dollar - anfangs wurde aber darauf vergessen, das Währungsrisiko abzusichern (und der Dollar fiel). Qualitätsprobleme führten dazu, dass ein Teil der Geldscheine beanstandet wurde. Die Kostenfrage für die Sicherheit beim sensiblen Transport musste erst mühsam geklärt werden, wichtige Details waren in den Verträgen vergessen worden.

Reißleine gezogen

Jetzt hat die Notenbank (OeBS-Aufsichtsratspräsident ist Notenbank-Direktor Wolfgang Duchatczek) die Reißleine gezogen. Sie hat den beiden OeBS-Geschäftsführern Josef Schneider und Wolfgang Färber einen "Sonderbeauftragten" beigestellt. Er, der Vizechef der OeNB-Tochter Münze Österreich, Kurt Meyer, muss nun "bis Ende des Jahres dafür sorgen, dass der Singapur-Auftrag abgearbeitet wird, und ich muss das neue Kostensenkungsprogramm unterstützen", so Meyer.

Beim Singapur-Deal mit seinen "Anlaufschwierigkeiten" sei man "jetzt in beruhigtem Fahrwasser". Die preislich enge Kalkulation rechtfertigt Meyer so: "Anders hätte man den Auftrag nicht bekommen." Geschäft wird die OeBS mit Singapur keines machen. Meyer: "Aus jetziger Sicht können wir aus dem Deal ausgeglichen aussteigen." Für die Druckereichefs, deren Verträge erst im Februar 2004 vom Eigentümer verlängert wurden, könnte es noch ungemütlich werden: Die Sonderprüfung des Auftrags durch den Wirtschaftstreuhänder Peter Wundsam läuft bereits. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.7.2004)

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    In der OeNB-Druckerei läuft derzeit ein Kostensenkungs­programm im Rahmen von rund 4,5 Millionen Euro.

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