Radon - Ein Zerfallsprodukt von Uran

8. Juli 2004, 17:32
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Wien - Das radioaktive Edelgas Radon entsteht hauptsächlich im Zuge des Zerfalls von Uran. Es kommt in mehreren Isotopen vor, die allesamt strahlen und eine relativ kurze Halbwertszeit von wenigen Tagen aufweisen. Gefährlich für die menschliche Gesundheit ist weniger das Gas selbst als es dessen Abbauprodukte sind, die sich - ebenfalls strahlend - in der Lunge festsetzen können. Umstritten ist die Wirkung von geringen Radon-Dosen.

Als Edelgas - die äußerste Schale des Atoms ist vollständig mit Elektronen besetzt - ist Radon chemisch äußerst reaktionsunfreudig. Wäre da nicht der radioaktive Zerfall, würde das Gas nach dem Einatmen den Körper über die Ausatemluft problemlos verlassen, ohne Spuren zu hinterlassen.

Allerdings sind alle bekannten Radon-Isotope radioaktiv. Das stabilste ist Radon 222 mit einer Halbwertszeit von rund 3,8 Tagen, Radon 219 zerfällt beispielsweise schon nach wenigen Sekunden. Beim Zerfall entstehen einerseits so genannte Alphastrahlen, die auf kurze Distanz lebendes Gewebe stark schädigen und außerdem wiederum strahlende Abbauprodukte, die sich in der Lunge festsetzen können.

Krebserregend

Radon gilt in höheren Dosen unumstritten als Krebs erregend. Laut vorsichtigen Schätzungen von Wissenschaftern gehen rund vierzig Prozent der Strahlendosis, die ein Mensch durchschnittlich abbekommt, auf das Konto des radioaktiven Edelgases. Bis zu 15 Prozent aller Lungenkrebsfälle könnten Radon-bedingt sein. Unklar ist dagegen die Wirkung von kleinen Dosen Radioaktivität durch zerfallendes Radon. Die klassische Lehre geht davon aus, dass jedes Quantum an Radioaktivität zu meiden ist, da jeder einzelne Strahl einen möglicherweise fatalen Schaden in einer Zelle anrichten kann.

Es gibt aber auch Theorien, dass ein geringes Maß an Strahlung sogar der Gesundheit förderlich ist, indem es Reparaturmechanismen im Körper stimuliert. In manchen Kurorten werden etwa Rheuma-Patienten in Stollen mit Radon-haltiger Luft gebracht, die schmerzlindernde Wirkung der Therapie ist allerdings nicht unumstritten.

Dichte Kellerräume vermeiden Eindringen von Gas

Radonwerte werden meist von der vorherrschenden Geologie einer Region bestimmt. Gebiete auf Granit und Gneis sind besonders dann gefährdet, wenn der Untergrund porös und durchlässig für Gase ist. In Österreich sind etwa das Wald- und Mühlviertel sowie Teile der Zentralalpen betroffen, wobei es auch kleinräumig, innerhalb von Dörfern große Unterschiede geben kann.

Wie hoch die Radon-Konzentration in den eigenen vier Wänden ist, hängt aber auch davon ab, wie Haus und Keller gestaltet sind. In belasteten Gebieten sollten Kellerräume nach unten und außen hin gut abgedichtet sein, so dass möglichst wenig Gas eindringen kann. Zu den Wohnräumen hin, bieten dichte Kellertüren einen guten Schutz vor dem strahlenden Gas. Nicht zuletzt senkt eine effektive Kellerdurchlüftung die Belastung für die Bewohner. Experten raten, vor allem beim Neubau in gefährdeten Gebieten das Thema Radon zu beachten. Rechtzeitig eingeplant, verursacht ein effektiver Schutz nur sehr geringe bis gar keine Zusatzkosten. (Apa)

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