Erregung um Rosa von Praunheims neues Filmprojekt

14. Juli 2004, 21:27
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Der Verteidiger des "Kannibalen von Rotenburg" kritisiert "Dein Herz in meinem Hirn" als "geschmacklose Wichtigtuerei"

Rotenburg - Der Verteidiger des "Kannibalen von Rotenburg" hat Pläne des Regisseurs Rosa von Praunheim zu einem Film über den Fall als "geschmacklose Wichtigtuerei" kritisiert, dieser hatte sich verteidigt.

Einspruch

Gegen jede Verletzung der Persönlichkeitsrechte werde er juristisch vorgehen, kündigte der Anwalt am Mittwoch in Rotenburg an. Es verwundere ihn, dass von Praunheim für sein Vorhaben öffentliche Gelder der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen erhalten solle. Die Filmstiftung NRW hatte am Montag berichtet, von Praunheims geplanter Film "Dein Herz in meinem Hirn" erhalte eine Förderung von 20.000 Euro. Hintergrund ist der reale Fall des Kannibalen Armin Meiwes, der im Jänner wegen Totschlags zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Das Landgericht Kassel hatte ihn für schuldig befunden, einen Berliner Ingenieur getötet und Teile von dessen Leiche gegessen zu haben.

Bevor das Urteil nicht rechtskräftig sei, werde es keinerlei autorisierte Veröffentlichung zum Leben des Kannibalen geben, sagte der Anwalt. Meiwes habe bisher keine Rechte an der Veröffentlichung seiner Lebensgeschichte übertragen oder veräußert. Über eine wahrheitsgemäße Dokumentation des Falls werde er zu gegebener Zeit entscheiden. Die Staatsanwaltschaft war gegen das ihrer Ansicht nach zu milde Urteil in Berufung gegangen. Über ein Revisionsverfahren ist noch nicht entschieden.

Verteidigung

Rosa von Praunheim hat sein geplantes Projekt gegen den Vorwurf der Geschmacklosigkeit oder Wichtigtuerei verteidigt. "Ich bin jemand, der ernsthaft versucht nachzuvollziehen, wie es zu so etwas kommt", sagte Praunheim am Donnerstag der dpa. "Wenn man meine Filme kennt, dann weiß man natürlich auch, dass da sicher auch schwarzer Humor dabei ist."

Es sei aber nicht nur der konkrete Fall des "Kannibalen von Rotenburg", der eine Rolle bei seinem neuen Filmprojekt spiele. Er beschäftige sich seit 20 Jahren mit Kannibalismus: "Er gehört sozusagen auch zu unserer Kultur. Von der Frühzeit angefangen, wie zum Beispiel in der Religion oder bei Opferritualen - verbunden mit dem Glauben, sich von der Stärke oder Potenz der Feinde etwas einverleiben zu können." Das drücke sich zum Teil auch in unserer Sprache aus, "in der katholischen Religion, in der Kommunion und Ähnlichem", meinte der Filmemacher.

Auch lohne ein Blick auf die Kriminalstatistik der letzten 100 Jahre. "Und Verbrechen gehen uns alle an, darunter die Grenzüberschreitungen, die wir sonst nur in unseren Träumen erleben. Ich sehe das gar nicht moralisch. Als Filmemacher ist man neugierig auf das, was in der Welt passiert oder was alles möglich ist. Und man versucht, das irgendwie zu verstehen, auch die latenten geheimen Wünsche und Vorstellungen in uns allen."

Juristisch lasse er sich bei seinem Projekt, das von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen gefördert wird, von einem Anwalt für Persönlichkeitsrechte beraten, der auch das Drehbuch begutachten werde. "Es ist ein Spielfilm, der nicht an den konkreten Fall von Rotenburg gebunden ist." (APA/dpa)

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    Schauplatz Rotenburg

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