Atomenergiebehörde will israelischen Reaktor besichtigen

8. Juli 2004, 14:43
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El Baradei auf "Routinebesuch" in Israel

Tel Aviv - Bei seinem Israel-Besuch hat der Chef der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), Mohammed el Baradei, den Wunsch nach einem Besuch im Kernreaktor von Dimona geäußert. "Ich würde gern den Reaktor in Dimona besuchen", sagte El Baradei nach einem Treffen mit dem israelischen Gesundheitsminister Danny Naveh am Mittwochabend. Eine Visite in Dimona sowie im Atomforschungszentrum in Nahal Sorek stehen auf israelischen Wunsch nicht auf seinem Besuchsprogramm.

El Baradei äußerte nach dem Treffen mit Naveh Verständnis für die Sicherheitsprobleme Israels und bekräftigte seine Hoffnung, der Nahe Osten könne eine atomwaffenfreie Zone werden. Die beiden Gesprächspartner verkündeten nach Angaben des israelischen Armeesenders die Einrichtung eines Forschungsprogramms im Bereich der Nuklearmedizin in Israel, das von der IAEO finanziert werden solle.

Israel, das nach Ansicht von Experten seit Jahren über Atomwaffen verfügt, ist nicht Mitglied des Atomwaffensperrvertrags und unterliegt nicht den Inspektionen der IAEO. Ministerpräsident Ariel Sharon hatte am Dienstag gesagt, seine Regierung werde auch weiterhin nicht offen legen, ob Israel Atomwaffen besitze. Die Politik der "atomaren Zweideutigkeit" sei erfolgreich.

El Baradei will am Donnerstag vor Abschluss seines zweitägigen Besuchs mit Sharon zusammentreffen. Laut israelischen Medien will der IAEO-Chef vorschlagen, Inspektoren der Organisation ins Land zu entsenden, die das Atomprogramm beobachten sollen. Israel lehnt das strikt ab. Nach seiner Ankunft hatte der IAEO-Chef gesagt, er würde es begrüßten, wenn das Land den Atomwaffensperrvertrag unterstütze. Er wolle aber keinen Druck ausüben.

Die israelische Regierung möchte dem Besuch El Baradeis möglichst wenig Bedeutung zukommen lassen. Seitdem Libyen keine Atomwaffen mehr herstellen will, wächst der Druck auf Israel, seinerseits auf Atomwaffen zu verzichten. Das Land verweist jedoch auf Nahost-Staaten wie Syrien oder den Iran, die Israel vernichten wollten. (APA/dpa)

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