Nicaraguas Sandinisten söhnen sich mit Kirche aus

8. Juli 2004, 19:48
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Früherer Staatschef Ortega will Friedensnobelpreis für Kardinal Obando Bravo

Managua - In Nicaragua zeichnet sich eine Aussöhnung zwischen der katholischen Kirche und den Sandinisten ab. Der frühere Staatspräsident Daniel Ortega Saavedra - ein Sandinist, der sich jetzt um Wählerstimmen aus dem katholischen Bereich bemüht - hat grobe Fehler seiner Partei während seiner Amtszeit (1979-1990) eingeräumt. Ortega entschuldigte sich laut Kathpress deshalb bei den Bischöfen für alle Polemiken. Darüber hinaus kündigte er an der Katholischen Universität Managua an, er werde sich für die Verleihung des Friedensnobelpreises an seinen früheren Widersacher, Kardinal Miguel Obando Bravo, einsetzen.

Aus Anlass des 25. Jahrestags der Sandinistischen Revolution und des Sturzes des Diktators Anastasio Somoza Debayle findet in der nicaraguanischen Hauptstadt Managua am Montag, 19. Juli, auch ein offizieller Gottesdienst der Erzdiözese Managua statt. Zelebrant ist Generalvikar Eduardo Montenegro. Er hatte bereits im Vorjahr an den Feiern zum Jahrestag der Sandinistischen Revolution teilgenommen. Seine Teilnahme galt damals als Sensation und als Symbol von erfolgreichen Bemühungen um Entspannung des belasteten Verhältnisses von Kirche und Sandinismus.

Der 78-jährige Salesianer-Kardinal Obando hatte 1979 - damals bereits Erzbischof von Managua - den Sieg der revolutionären Sandinisten über den Diktator Anastasio Somoza begrüßt. In den folgenden Jahren verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den Sandinisten und den Bischöfen allerdings immer mehr.

Dabei hatten befreiungstheologisch inspirierte Priester und Laien in der Rebellenbewegung wichtige Posten übernommen; einige waren sogar unter den bewaffneten Aufständischen zu finden gewesen. Andere, wie Miguel D'Escoto Brockman vom Maryknoll-Missionsorden, sowie die Brüder Ernesto und Fernando Cardenal, beide Priester, übernahmen in der neuen sandinistischen Regierung Ministerposten.

Die nicaraguanischen Bischöfe waren aber bald von der marxistisch-leninistischen Politik der Sandinisten enttäuscht. Die Kirche sei zwar gegen Somoza gewesen, aber als die Revolution eine kirchenfeindliche Richtung einnahm, habe man begonnen, "sehr kritisch" zu werden. Schließlich wurde die Kirche als "Feindin der Revolution" gebrandmarkt.

Als Wendepunkt in den wachsenden Spannungen innerhalb der Kirche sehen Beobachter die Weigerung D'Escotos und der Brüder Cardenal, ihre Regierungsposten aufzugeben. Eine dem Kirchenrecht entsprechende Entscheidung des Vatikans, in der die Suspendierung vom Priesteramt verfügt wurde, war die Folge. Als Johannes Paul II. Nicaragua 1983 einen Besuch abstattete, kam es zu einer öffentlichen Rüge des Papstes.

Obando Bravo selbst erklärt zur jetzigen Versöhnung mit Ortega, die Verantwortlichen der Sandinistischen Front hätten sich geändert: "Sie haben heute beträchtliche Erfahrung gewonnen, und sie wollen eine gute Beziehung zur Kirche entwickeln. Das ist gut". Zudem seien - so Obando - "sogar in den schlechtesten Zeiten Daniel Ortega und ich immer in der Lage gewesen, miteinander zu reden". (APA)

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