Längere Arbeitszeiten machen Manager denkfaul

18. Juli 2004, 19:33
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Kurze Arbeitszeiten können laut Experten als eine Art "Produktivitätspeitsche" wirken

Gelsenkirchen - Längere Arbeitszeiten machen nach Auffassung des Gelsenkirchener Arbeitsmarktexperten Steffen Lehndorff Manager eher denkfaul, während kurze Arbeitszeiten als eine Art "Produktivitätspeitsche" wirken könnten.

Dies belege auch eine am Mittwoch in Paris vorgelegte Untersuchung der OECD, sagte Lehndorff, der für den Bereich Arbeitsmarkt beim Gelsenkirchener Institut Arbeit und Technik (IAT) zuständig ist.

Auch im internationalen Vergleich gingen nach den Daten der OECD kurze Arbeitszeiten in der Regel mit einer hohen Arbeitsproduktivität einher, sagte er. "Kurze Arbeitszeiten regen die Fantasie an, wie in knapper Zeit besser gearbeitet werden kann", sagte er.

Trügerische Illusion

Lange Arbeitszeiten führten dagegen zu der trügerischen Illusion, ein Unternehmen könne seine Marktposition durch eine Lohnkostenkonkurrenz mit Niedriglohnländern sichern. Viel wichtiger sei jedoch die Frage, ob der Exportweltmeister seine Position in den Bereichen Forschung und Entwicklung verteidigen könne, wo Deutschland derzeit nur Mittelmaß sei.

Mit einer durchschnittlichen Jahresarbeitszeit von 1.760 Stunden für Vollzeitbeschäftigte liege Deutschland derzeit ohnehin bereits im europäischen Mittelfeld, sagte Lehndorff. In Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Dänemark und Finnland werde deutlich weniger gearbeitet.

Statt der erhofften Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze könne eine Verlängerung der Arbeitszeit auch zum Signal werden für eine "Spirale nach unten", wenn es dadurch zu einem weiteren Rückgang der Binnennachfrage komme. (APA)

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