"Carlos" lehnt Video-Aussage im Weinrich-Prozess ab

8. Juli 2004, 17:42
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Anwältin: Top-Terrorist würde aber persönlich vor Gericht aussagen - Weinrich gilt als "rechte Hand" von "Carlos"

Paris - Der bei Paris inhaftierte Terrorist "Carlos" alias Illich Ramirez Sanchez lehnt eine Vernehmung per Video-Schaltung im Berliner Prozess gegen den Terroristen Johannes Weinrich ab. Carlos habe "immer gesagt", dass er zu einer solchen Aussage via Video-Schaltung "nicht bereit" sei, betonte seine Anwältin Isabelle Coutant Peyre am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur AFP in Paris.

Ihr Mandant habe sein Einverständnis erklärt, zum Prozess zu kommen und "in öffentlicher Sitzung Zeugnis abzulegen", fügte Coutant Peyre hinzu. Er sei erstaunt darüber, dass der deutsche Innenminister Otto Schily (SPD) erkläre, die dafür erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen nicht gewährleisten zu können. Coutant Peyre ergänzte, sie gebe ihre Erklärungen ab, nachdem sie am Freitag mit Carlos in seiner Haftanstalt in Fresnes bei Paris gesprochen habe.

Hintergründe

Zuvor war der Mordprozess gegen Weinrich überraschend verschoben worden, weil das Landgericht Berlin einem Antrag der Nebenkläger stattgab, die Carlos in einer Videovernehmung als Zeugen hören wollen. Weinrich, der als "rechte Hand" von Carlos galt, steht seit März 2003 vor Gericht. Der 56-Jährige wird des sechsfachen Mordes bei Sprengstoffanschlägen Anfang der 80er Jahre in Frankreich beschuldigt. Wann das Urteil fällt, blieb zunächst offen.

Carlos war im August 1994 von Sudan an Frankreich ausgeliefert und in Paris wegen dreifachen Mordes im Jahr 1975 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Derzeit geht ein Pariser Ermittlungsrichter auch der mutmaßlichen Beteiligung des Venezolaners an einem Autobomben-Anschlag vor dem Büro der arabischsprachigen Zeitung "Watan Al Arabi" ("Arabische Heimat") in Paris nach. Dabei waren im April 1982 eine Frau getötet und 59 Menschen verletzt worden. (APA)

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