"Die Hilfe des lieben Gottes"

7. Juli 2004, 10:44
13 Postings

Der Umgang mit schwerer Krankheit fällt auch gelernten Kommunikatoren, wie es Politiker sind, schwer. Von öffentlich angezündeten Kerzen und stillen Genesungswünschen.

Es ist ein heikles Thema. Wie öffentlich trauern? Wie öffentlich Anteilnahme zeigen? FPÖ-Vizekanzler Hubert Gorbach wählte am Dienstag einen ungewöhnlichen Weg. Beim traditionellen Pressefoyer nach dem Ministerrat- sowohl er wie Kanzler Wolfgang Schüssel waren in dunklen Anzügen erschienen - gab er seiner großen Sorge über den Gesundheitszustand des Bundespräsidenten Ausdruck. Und verkündete dann, im Anschluss nicht wie gewohnt ins Vizekanzleramt zu gehen, sondern "eine Kerze in der Minoritenkirche anzuzünden".

Er tat dies dann auch - begleitet von seinen engsten Mitarbeitern, einem ORF-Kamerateam und einem Fotografen der Austria Presse Agentur.

Nicht entgangen war es politischen Beobachtern auch, dass das Bundeskanzleramt in einer ersten Stellungnahme zu Klestils schwerer Erkrankung nur vermeldete, dass die Amtsgeschäfte auf Wolfgang Schüssel übergegangen sind. Gut drei Stunden später reihte sich Schüssel, dessen angespanntes Verhältnis zu Klestil bekannt ist, dann mit seinen Genesungswünschen ein.

Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll wiederum sagte einen für Montagabend anberaumten Presseheurigen ab - als Zeichen seiner Anteilnahme.

Schüssel bemühte sich nach dem Ministerrat dann auch festzustellen, dass er vor dem letzten Auftritt Klestils (am 1. Juli bei der Angelobung des neuen Rechnungshofpräsidenten Josef Moser) noch Gelegenheit für eine persönliche Aussprache hatte. Thema der Unterredung war laut Schüssel eine Bilanz seiner Amtszeit. "Ich war alleine bei ihm, und wir hatten ein sehr gutes Gespräch. Es war rund und positiv."

Trauer und Tragik

Auch die anderen Regierungsmitglieder zeigten sich am Rande des Ministerrats betroffen über den kritischen Gesundheitszustand Klestils. FPÖ-Sozialminister Herbert Haupt wünschte dem Bundespräsidenten "gute Besserung, die Kunst der Ärzte und die Hilfe des lieben Gottes". ÖVP-Innenminister Ernst Strasser meinte, es sei "furchtbar, was da passiert ist, drei Tage vor Ende der Amtszeit". ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer versicherte, er vertraue den Ärzten, die um das Leben Klestils ringen. Mehr könne man derzeit nicht tun. Und Finanzminister Karl-Heinz Grasser betonte, "wir alle wünsche ihm, dass er wieder hergestellt wird".

Auch Altbundespräsident Kurt Waldheim hat an Frau Margot Klestil-Löffler ein Telegramm gesandt, in dem er seine "tiefe Betroffenheit" über die schwere Erkrankung seines Amtsnachfolgers zum Ausdruck brachte. Zugleich drückte Waldheim seine "Bewunderung" für dessen Amtsführung aus. Er selbst habe miterlebt, wie Klestil "bis zur letzten Stunde seiner Amtszeit mit bestem Wissen und Gewissen" tätig gewesen sei.

Nicht nur aus Österreich, aus ganz Europa trafen am Dienstag Genesungswünsche in der Präsidentschaftskanzlei für Thomas Klestil ein. Seine Amtskollegen aus Deutschland, der Schweiz, Polen und Rumänien wünschten ihm alles Gute. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.7.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Unter Bewachung: Vor der Intensivstation standen Sicherheitskräfte, welche die Patienten, die Ärzte sowie die Angehörigen abschirmten.

Share if you care.