Harninkontinenz ist ein Tabuthema

9. Juli 2004, 20:22
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In Österreich sind 850.000 Frauen betroffen, doch nur ein Drittel geht zum Arzt

Wien - 850.000 Frauen in Österreich leben mit einer Harninkontinenz. Aber nur knapp ein Drittel dieser Frauen sucht deswegen einen Arzt auf, sagte die Wiener Sozialmedizinerin Anita Rieder. Und das, obwohl Untersuchungen gezeigt haben, dass 86 Prozent der Betroffenen unter dem unkontrollierten Harnabgang leiden. "Die meisten Frauen trauen sich aus Scham nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen".

Insgesamt seien etwa 1.000.000 Österreicher von der Krankheit betroffen, sagte der Wiener Gynäkologe Engelbert Hanzal. Den größeren Anteil machen jedoch laut Untersuchungen die Frauen mit 26 Prozent aus. Die Häufigkeit einer Harninkontinenz steige zwar mit zunehmendem Lebensalter, dennoch seien auch junge Frauen davon betroffen, so der Mediziner. Diese Krankheit ist auf Grund der weniger stabilen Struktur des weiblichen Beckenbodens, die durch Geburten oder Operationen oft noch zusätzlich geschwächt wird, ein typisches Frauenleiden.

Therapiemöglichkeiten

"Die ersten Tropfen sollten bereits Anlass sein zum Arzt zu gehen", erklärte der Innsbrucker Urologe Helmut Madersbacher. Derzeit gebe es drei sehr gute Therapiemöglichkeiten: "Bei 70 Prozent der betroffenen Frauen hilft ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur, aber auch eine Operation ist bei 60 bis 90 Prozent der Patienten erfolgreich". Ab Herbst soll laut Madersbacher auch ein neues Medikament (Wirkstoff: "Duloxetin") in Österreich zugelassen werden, das vielversprechende Ergebnisse in einer Reihe von Studien gezeigt hat.

Die häufigste Form (92 Prozent) der Inkontinenz ist die so genannte Belastungsinkontinenz. Bei der früher auch als Stressinkontinenz bezeichneten Krankheit kommt es durch körperliche Anstrengung oder Anspannungen wie Niesen, Husten oder Lachen sowie physische Belastungen wie Treppensteigen oder Springen zu plötzlichem Harnverlust. (Apa)

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