"Aids ist eine globale Herausforderung"

6. Juli 2004, 13:00
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Das Aidsvirus breitet sich allen Anstrengungen zur Eindämmung zum Trotz weltweit weiter rasend aus. Dies geht aus dem neuen Bericht der UN-Aidsbekämpfungsorganisation UNAIDS hervor

Aids ist nicht zu stoppen. Im vergangenen Jahr steckten sich fünf Millionen Menschen weltweit neu mit dem Aidserreger HIV an - mehr als in irgendeinem Jahr zuvor. Insgesamt stieg die Zahl der Aidspatienten im Jahr 2003 auf rund 38 Millionen. Im Jahr 2001 waren es noch 35 Millionen infizierte Menschen. Laut dem Jahresbericht 2004 von UNAIDS, der Dienstag in Genf veröffentlicht wurde, ist Aids inzwischen "in jeder Region der Welt" auf dem Vormarsch.

Besonders dramatisch spitzt sich die Lage in Asien zu. Der bevölkerungsreichste Kontinent ist laut UNAIDS inzwischen eines der Gebiete, wo sich die Seuche am schnellsten ausbreitet. Auch China ist betroffen: In verschiedenen Provinzen des Landes hat die Seuche laut Analyse der Experten "extrem ernste Ausmaße" angenommen.

Schneller als Abwehr

Angesichts der alarmierenden Zahlen können jetzt auch die Verantwortlichen der Vereinten Nationen eine Spur Resignation nicht mehr ganz verhehlen. "Die Aidsepidemie ist einfach schneller als die golbale Abwehr", klagt UNAIDS-Direktor Peter Piot. "Wir müssen Aids endlich als globale Herausforderung begreifen. Es gibt eine riesige Aidsepidemie an der Türschwelle zur Europäischen Union, in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion", sagte Piot. "Der Mann auf der Straße muss wissen, dass ihn eine Aidsepidemie in einer globalisierten Welt selbst dann betrifft, wenn sie sich in Tausenden Kilometern Entfernung zuträgt."

An neuen Strategien gegen Aids soll Mitte Juli auf der Internationalen Aidskonferenz in Bangkok gefeilt werden. Doch signalisiert eine Zahl besonders krass, dass die Killerseuche so schnell nicht einzudämmen ist: Seit der vorigen internationalen Aidskonferenz in Barcelona 2002 befiel das HI-Virus neun Millionen Menschen - sechs Millionen Menschen sind inzwischen an Aids gestorben. Insgesamt fielen seit dem ersten diagnostizierten Aidsfall 1981 rund 20 Millionen Menschen dem Virus zum Opfer.

Geld fehlt

Im Kampf gegen Aids fehlt es vor allem am Geld. Zwar standen im Jahr 2003 rund fünf Milliarden US-Dollar weltweit bereit. Doch brauchen allein die Entwicklungsländer im Jahr 2006 rund zwölf Milliarden US-Dollar.

Allerdings muss UNAIDS auch einräumen, dass es mit der Koordination der Helfer oft hapert: Zu viele Organisationen haben inzwischen Aidsfonds aufgelegt. Das Resultat: eine unverantwortliche "Duplikation der Hilfe", die nicht zu Wettbewerb, sondern zu Konfusion führt.

"Eine effektive Koordination der Hilfe rettet Leben in Entwicklungsländern", sagt Piot. "Wir haben hart gekämpft, um das Geld zu erhalten. Jetzt müssen wir es auch weise ausgeben." (Jan Dirk Herbermann aus Genf/DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2004)

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    Anti-retrovirale, in Kenia hergestellte Medikamente gegen die Immunschwäche­krankheit.

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