Al Jazeera: "Hingerichteter" US-Soldat freigelassen

6. Juli 2004, 14:58
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Wassef Ali Hassoun soll an einen "sicheren Ort" in Bagdad gebracht worden sein - Offizielle Bestätigung steht noch aus

Kairo/Beirut - Die Entführer des US-amerikanischen Soldaten Wassef Ali Hassoun (24) sollen ihre Geisel freigelassen haben. Das geht aus einer am Montag vom arabischen Nachrichtensender "Al Jazeera" zitierten Erklärung einer Gruppe hervor, die sich "Bewegung der Islamischen Antwort" nennt.

Eine unabhängige Bestätigung für die Freilassung gab es zunächst nicht. In Beirut sagte der Bruder der Geisel, er habe bisher nur aus den Medien davon gehört. "Aber ich hoffe, dass er in Sicherheit ist".

"Hassoun hat versprochen, nicht in die US-Armee zurückzukehren", hieß es in der am Montag von Al Jazeera zitierten Erklärung der Islamistengruppe "Islamische Vergeltungsbewegung". Demnach wurde der gebürtige Libanese und Moslem Hassoun an "einen sicheren Ort" gebracht. Genaueres wurde nicht bekannt.

Aufenthaltsort unbekannt

Wohin der US-Soldat Wassef Ali Hassoun gebracht wurde, teilte die Islamistengruppe in ihrer Erklärung laut "Al Jazeera" nicht mit. Die US-Armee erklärte, sie habe keine Kenntnis über eine Freilassung des Marineinfanteristen und betrachte ihn daher nach wie vor als Geisel.

Am Wochenende hatte es Verwirrung um die vermeintliche Hinrichtung Hassouns gegeben. Diese war zunächst auf mehreren Internet-Seiten bekannt gegeben worden. Die Islamisten-Organisation Ansar al Sunna bezeichnete die verbreitete Erklärung, wonach Hassoun geköpft worden sei, jedoch als falsch.

In einem am 27. Juni von "Al Jazeera" ausgestrahlten Video der "Bewegung der Islamischen Antwort" war Hassoun mit verbundenen Augen zu sehen gewesen. Die Entführer drohten mit der Tötung der Geisel, sollten die US-Streitkräfte nicht alle irakischen Häftlinge freilassen. Der Soldat libanesischer Herkunft war etwa eine Woche vor der Ausstrahlung des Videos nahe Falluja verschleppt worden. Laut "New York Times" desertierte Hassoun vor seiner Geiselnahme, um in den Libanon zu gelangen.

In den vergangenen Monaten waren im Irak wiederholt Ausländer verschleppt und von Extremisten festgehalten worden. Unter ihnen befanden sich Amerikaner, Italiener, Russen, Ukrainer und Türken. Die genaue Zahl der von Extremisten verschleppten Ausländer ist nicht bekannt. Der Großteil der Entführten kam wieder frei, mehrere Geiseln wurden jedoch von Islamisten getötet.

Der Amerikaner Nicholas Berg wurde im Mai vor laufender Kamera enthauptet, ebenso wie später der südkoreanische Dolmetscher Kim Sun Il, dessen Leiche Ende Juni etwa 35 Kilometer von Bagdad entfernt gefunden wurde. Im April hatten Extremisten den entführten Italiener Fabrizio Quattrocchi mit einem Kopfschuss getötet. (APA/Reuters/AP/dpa)

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    Wassef Ali Hassoun soll versprochen haben, nicht zur US-Armee zurückzukehren.

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