Baden erhält Synagoge zurück

6. Juli 2004, 17:18
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Geld für Renovierung vom Finanzminister gesichert, sagt Khol - Grundstein gelegt

In eineinhalb Jahren soll sie in neuem Glanz erstrahlen: Die alte Badener Synagoge, deren Renovierung am Montag offiziell begann. Laut Nationalratpräsident Andreas Khol stehen sämtliche nötigen Gelder dafür zur Verfügung: Durch Zusage von Finanzminister Grasser.

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Baden/St. Pölten/Wien – Die Synagogenrenovierung werde Antwort auf ein "Henne-Ei- Problem" geben, hofft Ariel Muzicant, Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde: Antwort auf die Frage, wie – auf welchen Wegen – sich religiöses jüdisches Leben im Österreich nach der Shoa entfalten kann.

"In Graz und in Innsbruck haben die Gemeinden nach der Eröffnung der Synagogen einen Aufschwung genommen", erläuterte Muzicant am Montag, vor der feierlichen Grundsteinlegung zur Wiederinstandsetzung der Synagoge in Baden. Auch in der niederösterreichischen Kurstadt, so ergänzte er, sei eine solche Belebung möglich.

Jüdische Kurgäste

Etwa indem man auf "jüdische Kurgäste aus dem Ausland" setze: Die Nachfahren jener rund 7500 Jüdinnen und Juden aus Baden und Umgebung, die von den Nationalsozialisten vertrieben oder ermordet wurden. Während ihre im Jahr 1873 erbaute Synagoge geschändet, durch Vermauerungen und Bodeneinbauten entstellt wurde. Zum Vergleich: Die heutige jüdische Badener Gemeinde umfasst rund 100 Menschen.

Gesichert indes dürften die Gelder für die Renovierung des religiösen Hauses nach Plänen des Wiener Architekturbüros Weinmann sein: "Ich habe von Finanzminister Karl- Heinz Grasser eine Verwendungszusage über ein Viertel der Baukosten erhalten", verkündete am Montag Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP). Damit sprach er jene 687.000 von insgesamt 2,75 Millionen Euro an, die nicht vom Land Niederösterreich (zur Hälfte) und von der Stadtgemeinde Baden (zu einem Viertel) übernommen werden.

Laut ursprünglichem Plan hätte die fehlende Summe von der Wiener Kultusgemeinde beigesteuert werden sollen. Angesichts deren prekärer Finanzlage hatte dies zu Unruhe unter Gemeindemitgliedern geführt, zumal die Aufbringung des Geldes über den Nationalfonds für Opfer des Nationalsozialismus keineswegs sicher erschien.

Auch zum derzeitigen Zeitpunkt – so ist beim Fonds selbst zu erfahren – verfüge man nicht über die notwendigen Mittel. Doch Khol ist zuversichtlich: Der Zusage Grassers müsse im Herbst nur noch "die Zustimmung des Nationalrats zu dem diesbezüglichen Budgetüberschreitungsgesetz" folgen. Und – so Khol – sie werde folgen.

Umbauabschluss 2005

In der Badener Grabengasse dürften die Renovierungsarbeiten bis dahin schon ziemlich fortgeschritten sein, wird doch als voraussichtlicher Umbauabschluss der Herbst 2005 genannt. Entstehen soll – ebenerdig – ein Bethaus sowie – im ersten Stock – ein frei zu vermietender Veranstaltungssaal. Dann werde eine "Jahrzehnte alte, fast unendliche Geschichte" ein akzeptables Ende gefunden haben, betont der niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP).

Die Entscheidung des Landes, sich in beträchtlichem Maße an der Synagogenrenovierung zu beteiligen, sei von ihm selbst gekommen, erläutert Pröll im STANDARD-Gespräch: "Ich wollte der unleidlichen Diskussion ein Ende bereiten". Für ihn sei dies ein "Schritt der Verantwortung", vom der sich auch jene nicht abwenden könnten, "die selber frei von Schuld sind". (Irene Brickner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2004)

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    Nationalratspräsident Khol bei der Unterzeichnung der Grundsteinsurkunde.

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