Walter Pohls Biographie

5. Juli 2004, 12:16
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Wien - Das Jahr 2004 hat es in sich für den Wiener Historiker Walter Pohl: Im Mai wurde er von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zum "Wirklichen Mitglied" gewählt, wenige Wochen später erhielt er die renommierteste und höchstdotierte Wissenschaftsauszeichnung Österreichs, den Wittgenstein-Preis. 25 Jahre lang hat Pohl kontinuierlich auf diesen Höhepunkt seiner wissenschaftlichen Karriere hingearbeitet, beginnend als Forschungsassistent und zuletzt als Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW.

Werdegang

Pohl, am 27. Dezember 1953 in Wien geboren, besuchte das Akademische Gymnasium in Wien und studierte an der Universität Wien zuerst Volkswirtschaft, dann Geschichte und Englisch. Nach seiner Promotion 1984 absolvierte er den Ausbildungslehrgang am Institut für Österreichische Geschichtsforschung und begann als Forschungsassistent beim Forschungsschwerpunkt "Neue Wege der Frühgeschichtsforschung" zu arbeiten. Seine Habilitationsschrift (1989) für Geschichte des Mittelalters über "Die Awaren" wurde gleichzeitig sein erstes Standardwerk. Es sollten weitere Bücher folgen, in denen der Historiker sein Wissen über die Geschichte des Frühmittelalters und seiner Völker auch einer breiteren Leserschaft vermittelte, etwa über die Germanen oder über die Völkerwanderung.

1990 wechselte er zur Kommission für Frühmittelalterforschung der ÖAW, die 1998 zur Forschungsstelle für Geschichte des Mittelalters unter der Leitung Pohls ausgebaut wurde. 2001 habilitierte sich der Wissenschafter erneut, diesmal für Historische Hilfswissenschaften mit der Arbeit "Werkstätte der Erinnerung - Montecassino und die langobardische Vergangenheit". Mit Beginn 2004 wurde die Forschungsstelle in ein Akademieinstitut umgewandelt, wieder unter der Leitung Pohls.

Die "Wiener Schule"

Aufbauend auf den Arbeiten seines Lehrers Herwig Wolfram hat Pohl die "Wiener Schule" zu einem international führenden Forschungszentrum weiterentwickelt, dessen zentraler Ansatz die Untersuchung vergangener Identitäten im Zusammenhang mit der Erforschung moderner Nationenbildung ist. In bemerkenswert kurzer Zeit gelang es ihm, eine der aktivsten europäischen Gruppen für Mittelalterforschung aufzubauen, die seine Handschrift wissenschaftlichen Arbeitens trägt.

Neben seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit hat sich Pohl Anerkennung als wissenschaftliche Führungspersönlichkeit in dem Projekt "Transformation of the Roman World" der European Science Foundation erworben. In der Lehre ist Pohl als Dozent an der Universität Wien tätig.(APA)

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