Ab heute ist nichts

4. Juli 2004, 20:19
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Heute ist der erste Montag im heimischen Nichts. Das soll jetzt nicht nihilistisch klingen. Nichts-Phasen gibt es mehrere im Jahr. Die Früh-Juli-Nichts-Phase ist aber wohl die hartnäckigste. Alles scheint abgeschlossen zu sein, nichts zu beginnen. Hier ein paar Beispiele.

1.) Die Schule ist aus. Tausende Kinder sind plötzlich verschwunden. Sie wurden touristisch gekidnappt, wie alle Jahre um diese Zeit. Ihre zurückgebliebenen Freunde hängen daheim herum und müssen sich von den Eltern öde "Wenn-dir-fad-ist-dann"-Sätze anhören. Haben sie sich monatelang durch den Unterricht gequält, um zu Beginn der längsten legalen Auszeit mit makabren Fragen wie: "Willst nicht einmal ein Buch lesen?" gedemütigt zu werden?

2.) An sich unterbricht sich auch die Politik, aber das macht sie mittlerweile ununterbrochen. Immerhin hat selbst die Sonderpartei, dieses Boxenluder der rechtspopulistischen Revolte, ihren Tag hinter sich gebracht. Doch was außer nichts soll sich ändern?

3.) Und nun ist auch noch die Fußball-EM vorbei, da gibt es nichts daran zu rütteln (am Fernsehgerät). Jetzt wird es eng: Männer suchen noch verzweifelt einen Ausweichsender, Frauen bereits das Gespräch.
(DER STANDARD, Printausgabe vom 5.7.2004)

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