Kritische Computersysteme nicht von Razzia bei Yukos betroffen

4. Juli 2004, 16:58
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Polizei durchsuchte Firmensitz am Samstag acht Stunden lang

Bei einer Razzia der Polizei im

Hauptquartier des russischen Öl-Konzerns Yukos wurden offenbar doch

keine für die Ölproduktion unverzichtbaren Computer beschlagnahmt.

Zwar habe es einen Versuch gegeben, diese Server zu beschlagnahmen,

sagte ein Yukos- Sprecher am Sonntag in Moskau. Die notwendigen

Systeme arbeiteten jedoch weiter. "Es gab keine Katastrophe, aber es

war knapp", sagte der Sprecher. Yukos hatte zunächst erklärt, die

Polizei habe am Vortag die Computer beschlagnahmt und damit die

Produktion gefährdet. Etwa ein Fünftel des russischen Öls stammt von

Yukos.

Achtstündige Polizei-Razzia

Russische Polizisten hatten am Samstagmorgen den Firmensitz rund

acht Stunden lang besetzt. Der Einsatz sei Teil der Ermittlungen

gegen Yukos wegen Betrugs und Steuerhinterziehung, sagte ein Sprecher

der Staatsanwaltschaft der Nachrichtenagentur Interfax. Ein Gericht

hatte am Donnerstag die Konten des Unternehmens sperren lassen.

Russische Behörden fordern von Yukos bis Mittwochnacht eine

Steuernachzahlung über 3,4 Milliarden Dollar (2,80 Mrd. Euro) für

2000 und etwa genauso viel für 2001. Yukos hatte gewarnt, dem Konzern

stünden ohne Zugriff auf die Konten nicht genügend Barmittel zur

Begleichung der Steuerforderung zur Verfügung. Dem Konzern würde

damit die Pleite drohen.

Um die Steuerschuld zu begleichen, hatte Yukos den Behörden am

Donnerstag seinen 35-prozentigen Anteil an dem Konkurrenten Sibneft

angeboten. Der Wert dieses Aktienpakets übersteige die Gesamtheit der

Steuernachforderungen inklusive Strafgebühren, erklärte Yukos. Die

Behörden hätten jedoch abgelehnt. Wenn Yukos die Steuerschuld nicht

binnen drei Monaten begleicht, droht ein Insolvenzverfahren.

Politisch motiviert

Das Vorgehen geben Yukos und seinen früheren Chef Michail

Chodorkowski halten viele Beobachter für politisch motiviert. Damit

wolle der Kreml ihn für die Unterstützung von Oppositionsparteien und

eigene politische Ambitionen bestrafen. Gegen Chodorkowski läuft vor

einem anderen Gericht ein Prozess wegen Steuerhinterziehung und

Betrugs. Er wurde im Oktober vergangenen Jahres verhaftet. Die

Vorwürfe der Justiz betreffen vor allem die Privatisierung eines

Düngemittelbetriebs 1994.

Das Büro des Generalstaatsanwalts erklärte nach Berichten

russischer Nachrichtenagenturen, die Aktion vom Samstag stehe nicht

in Zusammenhang mit dem Verfahren gegen Chodorkowski. Es gehe

vielmehr um Ermittlungen wegen Betrugs und Steuerhinterziehung gegen

ein von Yukos kontrolliertes Unternehmen.(APA/Reuters/AP)

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