Philippinen: Arroyo versenkt Manilas "Glamour-Politik"

4. Juli 2004, 19:35
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Amtierende Präsidentin tritt zweite Amtszeit an - Harte Enscheidungen angekündigt

Manila/Wien - Während Imelda Marcos, die Frau des früheren philippinischen Diktators Ferdinand Marcos, an ihrem 75. Geburtstag am Freitag ein paar Tausend Säcke mit Reis in einem armen Vorort Manilas verteilen ließ und tränenreich die anstehende Veröffentlichung eines Dokumentarfilms beklagte, der sie in einem ungünstigen Licht darstelle, trat eine andere Frau unbeeindruckt ihre zweite Amtszeit als Staatspräsidentin an: Gloria Macapagal Arroyo leistete diese Woche ihren Amtseid ab und zog damit der "Glamour-Politik" auf den Philippinen, wo sich gern Exschauspieler, Fernsehstars und der zur Seifenoper gewordene Diktatorenclan Marcos tummeln, den Zahn.

"Dieses System hat sich dieses Mal diskreditiert", sagt Renato Cruz de Castro gegenüber dem STANDARD, ein Politikwissenschaftler an der Universität von Manila und außenpolitischer Berater des gescheiterten Präsidentschaftskandidaten Fernando Poe - des populärsten Schauspielers des Archipels. Poe, so klagt der Universitätsmann, sei schlicht unfähig gewesen.

Den Filipinos mag damit eine Neuauflage der desaströsen Präsidentschaft Joseph Estradas, eines anderen Kinohelden, von 1998 erspart geblieben sein. Poe, der immerhin 11,8 Millionen Stimmen erhielt - rund eine Million weniger als Arroyo - und ein alter Freund des Marcos-Clans ist, sei allerdings nur deshalb gescheitert, weil er politisch nicht so geschickt agierte wie Arroyo mit ihrer landesweiten Wahlmaschine, meint de Castro.

Arroyo, die eine volle sechsjährige Amtszeit vor sich hat, könne nun harte wirtschaftspolitische Entscheidungen fällen. "Sie braucht keine Popularität mehr", glaubt de Castro. Steuererhöhungen und drastische Ausgabenkürzungen scheinen unausweichlich: Die Staatsverschuldung der Philippinen erreicht mittlerweile 80 Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung. "Die harten Entscheidungen werden härter gegen jene sein, die es leicht haben, als gegen jene, die es jetzt schon hart haben", versprach Arroyo dennoch bei der Amtseinführung. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.7.2004)

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    Neue Amtszeit: Arroyo kündigte einen harten Sparkurs an - die Philippinen sind überschuldet.

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