Das war das Schuljahr 03/04

17. September 2004, 11:56
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Viele Ankündigungen, wenig konkrete Reformen und kein Lehrer-Streik - das ist die bildungspolitische Bilanz des zu Ende gehenden Schuljahrs 2003/04

Für Diskussionen sorgten die im Herbst 2003 vorgelegten Vorschläge der Zukunftskommission für das Schulwesen sowie der Vorstoß von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer für eine Abschaffung der Noten in der Volksschule und den Verzicht aufs Durchfallen bis zum Ende der Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe. Viele konkrete Maßnahmen wurden hingegen nicht beschlossen - so tagte der parlamentarische Unterrichtsausschuss im gesamten Schuljahr bisher nur zwei Mal. Das letzte Mal am Mittwoch, dem 30. Juni, wo eine Aliquotierung von Prüfungstaxen im Schulbereich sowie die Anhebung des Höchstalters für die Zulassung zum Unterrichtspraktikum auf 45 Jahre beschlossen wurde. Ferner wird auch die Tätigkeit der Lehrbeauftragten im Fernunterricht finanziell abgegolten werden.

Vorschläge der Kommision

Die Zukunftskommission, ein vierköpfiges Wissenschafter-Gremium unter dem Vorsitz des Salzburger Erziehungswissenschafters Günter Haider, hat am Nationalfeiertag des Vorjahrs mit ihren Vorschlägen für Aufregung gesorgt. Viel diskutiert wurde etwa die Einschränkung des Sitzenbleibens: Eine Klasse soll nach Auffassung der Wissenschafter nur wiederholt werden, wenn Schüler oder Eltern dies nach Beratung durch die Schule "ausdrücklich wünschen oder wenn ein Schüler mindestens in zwei Gegenständen mit Nicht Genügend beurteiltwird und insgesamt in mehr als der Hälfte der Pflicht- und Wahlgegenstände keine bessere Note als Genügend aufweist". Weitere Vorschläge der Kommission betreffen die Einführung eines Kurssystems in den Hauptfächern (Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen) der Oberstufe und die Einräumung eines Rechts auf Ganztagsbetreuung in der Pflichtschulzeit. Die Einstellung und Weiterbeschäftigung der Lehrer soll künftig den Schulen selbst obliegen.

Aufstiegschancen für Lehrer

Den Pädagogen wollen die Wissenschafter ein neues Laufbahnmodell verordnen: Lehrer hätten demnach keine staatliche Anstellungsgarantie und wären nicht mehr pragmatisiert. Dafür erhalten sie deutlich höhere Anfangsgehälter und die Möglichkeit für einen Aufstieg in ein "mittleres Management" der Schule. In der letzten Ferienwoche müssen sie außerdem in der Schule sein, um Nachprüfungen durchzuführen und das kommende Schuljahr zu planen.

Einige Vorschläge wie das Repetier-Modell oder die völlig autonome Auswahl der Lehrer durch die Schule hat Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) bereits zurückgewiesen. Stattdessen will sie im kommenden Herbst das Frühwarnsystem für "Fünfer-Kandidaten" verbessern, bei der Auswahl von Lehrern soll die Letztverantwortung weiter den Landesschulräten überlassen werden.

Aufreger Kleiderordnung

Mehr als jede bildungspolitische Diskussion bewegte Österreich im zu Ende gehenden Schuljahr eine Hauptschule in Ohlsdorf (OÖ), die ihren Schülern allzu freizügige oder mit anstößigen Sprüchen versehene Kleidung verbot. Da dies formwidrig zunächst nur von der Lehrerkonferenz verordnet wurde, musste die Regelung erneut vom Schulforum beschlossen werden - aus Protest gegen die Entscheidung demonstrierten Schülervertreter in Unterwäsche beim Landesschulratspräsidenten. Ebenfalls in Oberösterreich verbot eine Hauptschule einer 13-jährigen Muslimin den Schulbesuch mit Kopftuch, eine Regelung, die vom Landesschulrat umgehend untersagt wurde.

Als Folge der beiden Vorfälle brachte die ÖVP im Parlament die umstrittenen Verhaltensvereinbarungen wieder aufs Tapet. Demnach soll eine Verhaltensvereinbarung bzw. Hausordnung in der Schule nur dann durchgesetzt werden können, wenn im Schulgemeinschaftsausschuss (SGA) sowohl die Lehrer- als auch die Schüler- und die Elternvertreter jeweils mit Zwei-Drittel-Mehrheit zustimmen. Der SPÖ ging dieserVorschlag allerdings zu wenig weit: Sie verlangte darüber hinaus, auch sämtliche geltende Hausordnungen per Gesetz oder Verordnung aufzuheben. Ansonsten wären die alten Regelungen auf Grund der Zwei-Drittel-Erfordernis "einzementiert". Resultat: Die SPÖ stimmtenicht zu, das Gesetz scheiterte wegen der fehlenden Zwei-Drittel-Mehrheit im Nationalrat.

Bildungsstandards

Von Elisabeth Gehrer präsentiert wurden außerdem die Entwürfe für die ersten Bildungsstandards: Damit soll festgelegt werden, welche Kompetenzen die Schüler an den so genannten "Nahtstellen" des Bildungswesens (v.a. also in der vierten Klasse Volksschule und der vierten Klasse AHS bzw. Hauptschule) in den Kernbereichen eines Unterrichtsfachs erworben haben sollen. Ab Herbst beginnt die zweijährige Testphase für die Standards im Fach Mathematik (achte Schulstufe). (apa, mhe)

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