Sonne in Dosen und massenhaft Bio

8. Juli 2004, 15:49
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Deutschland hat neue Regelungen für die Förderung erneuerbarer Energieträger erlassen. Ab August wird Biomasse nach österreichischem Vorbild gefördert

Die Proteste gegen die "Zerspargelung" der Landschaft durch die massiv vermehrten Windkraftanlagen zeigte in Deutschland Wirkung. Anfang Juni verabschiedete der deutsche Bundestag eine Novelle des Erneuerbare-Energie-Gesetzes, das neue Regelungen für die Förderung von Sonnen-, Wind- und Wasserkraft vorsieht. Die Novelle soll am 1. August in Kraft treten.

Künftig werden Biomasse und Kraft-Wärme-Kopplung verstärkt unterstützt. Windkraftanlagen werden indes nur noch gefördert, wenn sie mindestens 60 Prozent eines Referenzertrags erreichen. Damit soll verhindert werden, dass wegen massiver finanzieller Förderung unabhängig von den natürlichen Gegebenheiten mehr und mehr dieser "Spargelstangen", wie die Windräder in Deutschland heißen, aufgestellt werden.

Ein Fünftel erneuerbar

Mit diesem Gesetz will Deutschland erreichen, dass bis zum Jahr 2020 ein Fünftel des Energiebedarfs statt wie bisher acht Prozent aus erneuerbaren Energieträgern gedeckt wird.

Während sich der grüne Umweltminister Jürgen Trittin zufrieden über die Novelle zeigte, kritisierte der Bundesverband Windenergie die vorgenommenen Änderungen: "Die Einführung der 60-Prozent-Klausel ist ein starker Einschnitt für die Windenergie", so deren Präsident Peter Ahmels. Viele Projekte etwa in Süddeutschland seien damit nicht mehr realisierbar.

Weniger und kürzer

Generell erhalten nach der neuen Regelung Betreiber von Windkraftanlagen eine geringere Vergütung. Für alle Windräder sinkt der garantierte Abnahmepreis für die Kilowattstunde jährlich um zwei Prozent, sodass der Betreiber nach zehn Jahren einschließlich Inflation mit insgesamt 35 Prozent weniger Geld auskommen muss. Zudem wird der Förderzeitraum verkürzt. Verstärkt gefördert werden sollen Offshore-Anlagen im Meer. Mit unverändert hohen Förderungen werden dagegen Sonnenenergieanlagen auf Gebäuden und an Fassaden bedacht.

Massiv ausgebaut werden jedoch Subventionen für die Stromerzeugung aus Biomasse. Bauern, die in einer Biogasanlage etwa mit Holzhackschnitzeln oder Rapsöl Strom erzeugen, können 20 statt 15 Jahre lang mit einer garantierten Vergütung rechnen. Sie sinkt jährlich nur um 1,5 Prozent. Zudem wird ein Brennstoffbonus gewährt, von dem auch Kommunen profitieren, die ihren Biomüll vergären und mit dem dabei entstehenden Gas Strom erzeugen.

Nach Einschätzung des SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer, der auch Vorsitzender des Weltrates für Erneuerbare Energien und Träger des Alternativen Nobelpreises ist, hat Deutschland hier Nachholbedarf. "Im Bereich Biomasse ist Österreich weltweit führend", sagte Scheer zum STANDARD. Die österreichische Biomasseförderung sei vorbildhaft. In Deutschland sollen auch Kraft-Wärme-Kopplung und innovative Techniken ähnlich wie die Biomasse unterstützt werden.

Ökostrom kostet

Die Kosten für die Verbraucher sollen gleich bleiben: Rund einen Euro pro Monat zahlt der Durchschnittshaushalt laut Bundesregierung für Ökostrom, dessen Förderung auch weiterhin indirekt auf den allgemeinen Strompreis umgelegt wird.

Das deutsche Modell ist Vorbild für das wirtschaftlich prosperierende China. Ein neues Gesetz zu Entwicklung und Nutzung erneuerbarer Energien könnte nach Einschätzung von Li Junfung, Direktor des Regierungsinstituts für erneuerbare Energien, schon vom nächsten Volkskongress im Frühjahr 2005 abgesegnet werden. Die deutsche Subventionspraxis soll übernommen werden. Bis 2010 will China den Anteil der erneuerbaren Energie an der gesamten Produktion auf zehn Prozent verdoppeln. (DER STANDARD Printausgabe 30.06.2004)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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    Fotovoltaikanlagen sind zukunftsträchtige und kunstwerkartige Energiequellen.

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