Chronologie eines versuchten Verkaufs

8. Juli 2004, 15:44
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Mitte November zum Verkauf ausgeschrieben, bindende Angebote im Februar, Raiffeisen gleich draußen - Kärntner jetzt abgesprungen

Eisenstadt/Wien - Mit einem raschen Verkauf der Bank Burgenland wollte das Land eines seiner teuersten Kapitel schließen. Mitten in der Sanierungsphase der landeseigenen Bank entschloss man sich zur Totalprivatisierung. Die Sanierung ist längst nicht abgeschlossen, und ein schneller Verkauf hat sich spätestens seit dem definitiven Absprung der Kärntner Hypo Alpe Adria Bank - im Bieterrennen seit Monaten Favorit für einen Zuschlag - aus heutiger Sicht (28. Juni 2004) wohl vorläufig zerschlagen.

HSBC mit Verkauf beauftragt

Mit dem im Herbst 2003 gefällten Beschluss, die Bank Burgenland zur Gänze zu verkaufen, sollte das eigentliche Finale beginnen. Schon vorher war die internationale Investmentbank HSBC mit der Abwicklung beauftragt worden. Am 17. November 2003 wurde es für die Interessenten ernst, die Bank Burgenland zum Verkauf ausgeschrieben. Am 27. November endete die Frist zur Bekundung der Kaufabsicht, bis 11. Dezember wurden vorerst unverbindliche (indikative) Anbote gelegt. Es waren zunächst sechs unverbindliche Offerte eingelangt.

Als Kaufinteressenten verblieben vier österreichische Banken bzw. Bankengruppen. Sie sollten ursprünglich bis zum 23. Februar 2004 ihre verbindlichen Offerte legen, diese Frist wurde dann auf 27. Februar verlängert. Bindende Angebote gelegt hatten ein Raiffeisen-Konsortium unter Führung der Raiffeisenlandesbank Burgenland, die Wiener BAWAG P.S.K., die Hypo Alpe Adria Bank sowie die Niederösterreichische Hypo.

Ranking der besten Angebote

Nach einer Regierungsklausur in Eisenstadt wurde am 2. März die "Shortlist" bekannt: Raiffeisen war aus dem Rennen. Ein inoffizielles Ranking der besten Angebote wurde von der Hypo Alpe Adria Bank angeführt, dann folgten BAWAG und Hypo NÖ. Mit diesen Dreien starteten erste Gespräche, nochmals wurde eine vertiefte Prüfphase im Datenraum (Due Diligence) gestartet.

Im März, mitten in der Due Diligence-Phase, tauchte eine bisher nicht bekannte "Altlast" in Form früherer riskanter Swapgeschäfte auf, die sich als Fehlspekulation heraus stellten, die Belastung daraus wird auf 10 bis 15 Mio. Euro geschätzt. Seit Wochen ist davon die Rede, dass die Bank Burgenland rund 30 Mio. Euro frisches Eigenkapital braucht. Die früheren Kaufpreisvorstellungen (angeblich deutlich über 100 Mio. Euro) waren bis dahin aber ohnehin schon nach unten revidiert worden. Weil die Bank selbst vom Verkauf etwas haben sollte, waren zuletzt mehrstufige Verkaufsmodelle (Teilverkauf mit Kapitalerhöhung) gewälzt worden. Falls nicht ein neuer Eigner frisches Kapital zuschießt, könnte das Land als Eigentümer selbst aufsichtsbehördlich gezwungen werden, für eine entsprechende Ausstattung zu sorgen.

Sanierung nicht abgeschlossen

Die traditionell dem "roten" Polit-Sektor zugerechnete Bank (Gründung: 1928) sollte, nachdem das Land vor mehr als drei Jahren das zum Hypobankensektor zählende Institut nach der Hom-Rusch-Kreditpleite mit teuren Haftungen aufgefangen hat, als "Braut" herausgeputzt werden. Mittlerweile ist sie auch in Ungarn tätig. Die Sanierung ist aber bisher nicht abgeschlossen. Ein legistischer Verkaufs-Stolperstein wurde Anfang Mai beseitigt, indem die EU die im Jahr 2000 übernommenen Landeshaftungen als zulässig bestätigte.

Die Bank Burgenland (Bilanzsumme Ende 2003: 3,12 Mrd. Euro) beschäftigt rund 300 Mitarbeiter. Die Bilanz 2003 war immer noch von den hohen Wertberichtungen und "Zinslosstellungen" aus der Vergangenheit belastet und schloss nur dank einer Wirtschaftsprüfer-Schadenersatzzahlung in Höhe von 8,3 Mio. Euro ohne Verlust. Das Betriebsergebnis der Bank Burgenland AG hat sich 2003 mehr als halbiert, von 9,1 Mio. Euro im Jahr 2002 auf 4,4 Mio. Hauptgrund war ein Einbruch im Zinsergebnis. Als Jahresüberschuss verblieben 3,7 (Vorjahr: 1,3) Mio. Euro. (APA)

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