Wien in Feierlaune: Drei Tage Inselfest

2. Juli 2004, 23:22
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Die WienerInnen stürmten auch heuer wieder das Donauinselfest und amüsierten sich bestens

Wien in Feierlaune: Drei Tage Inselfest Die Wienerinnen und Wiener stürmten auch heuer wieder das Donauinselfest und amüsierten sich bestens. Das Konzept, für jeden musikalischen und kulinarischen Gusto etwas zu bieten, funktioniert seit mittlerweile 21 Jahren. Wien - "Bitte die Herren Schiedsrichter das Schmähführen einzustellen und sich auf das Spielfeld zu begeben", mahnte der Platzsprecher die Beach-Soccer-Schiris zu mehr Ernsthaftigkeit. Auf der Sportinsel wurde Sonntagmittag bereits gekickt. Die ersten Langos gingen über die Budel. Die Bierwägen lieferten Nachschub für den dritten Tag des Donauinselfestes. Dem Spanferkel, das sich neben den Lautsprecherboxen auf dem Grill drehte, dürften die Beach Boys mit ihren "Good Vibrations" den Tag aber auch nicht mehr gerettet haben. Die Wiener sind ein Inselvolk. Wenn's nicht regnet, kommt an einem Festtag mehr als eine Million Menschen aufs Festgelände, das war auch heuer so, freute sich Organisator Harry Kopietz.

Bloß, wo sind diese Menschen sonst das Jahr über? Abertausende schoben sich aneinander vorbei, und es fiel kein böses Wort, ein kleiner Zusammenstoß mit dem Entgegenkommenden zauberte einfach nur ein entschuldigendes Lächeln ins Gesicht des Gegenübers.

Rund 150 Einsätze hatte der Arbeitersamariterbund am Samstag, meist nur leichtere Fälle wie Kreislaufprobleme oder Schnittwunden. Schlimmer Zwischenfall: eine Frau wurde vergewaltigt.

Auffallend viele Betrunkene waren nicht unterwegs, obwohl das Angebot danach gewesen wäre: Keine hundert Schritte, ohne dass man auf eine Bierausschank stieß - 0,5 Liter zu drei Euro. Aber Konkurrenz belebt, das gilt auch auf einer SP-Veranstaltung, ein Stück von den großen Bühnen entfernt gab's das Krügerl schon um 2,80 Euro. Der Inselklassiker war aber wieder der Tequila ("zahl' 5, trink' 6").

Döner-Hochburg

Wien isst gleichförmig, möchte man meinen: Offenbar jeder in Ostösterreich verfügbare Dönerdrehgrill war an den drei Festtagen auf der Insel installiert. Da blieben sogar Schnitzelsemmel und Erdäpfelsalat in der Beliebtheitsskala zurück. Andererseits fand das Inselfest auch unter relativ starker türkischer und kurdischer Beteiligung statt. Dort neben der Donau wurde die Fahne des inhaftierten PKK-Führers Abdullah Öcalan noch hochgehalten, fröhliche Menschen tanzten zu lauter Musik um den Fahnenträger und fanden zeitweise mehr Zuschauer als manche Nachwuchshoffnung auf einer der 20 Bühnen zwischen Nord-und Reichsbrücke und beim Millennium-Tower.

Die musikalischen Magneten waren am Samstag wohl Christina Stürmer und - nach dem traditionellen Feuerwerk um 22 Uhr - Gianna Nannini. Es ist die Mischung aus aktuellen Hitlieferanten und einem "Was, den gibt's auch noch?"-Effekt, der für die Insel typisch ist. Deshalb am Sonntag noch auf dem Programm: Ronan Keating und The Rasmus. Das Abschlusskonzert aber bestritt Altspatz Chris Norman. Immerhin hatte die SPÖ ja auf der Insel plakatiert: "Wien - wo junge Menschen gehört werden!" (fern, or; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2004)

Das Konzept, für jeden musikalischen und kulinarischen Gusto etwas zu bieten, funktioniert seit mittlerweile 21 Jahren.
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    Die WienerInnen stürmten auch heuer wieder die Donauinsel

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