Bernhards Dilemma

23. Juli 2004, 14:26
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"2-Nite-TV" auf ProSieben Austria: Mit Kappe und schlechten Manieren soll "der Bernhard, den kein Promi gern hat" ...

Ja, sagte der Bernhard unlängst (ohne Kamera), er würde zurückschlagen. Auch vor laufender Kamera. Und so wie der Bernhard das sagte, dürfte er das absolut ernst meinen. Oder vielleicht sogar hoffen. Beim Hansi Hinterseer war es fast so weit gewesen. Das Moonbootrolemodel war bei der wiederholten Frage, ob man ihn statt Hansi, Hasi nennen dürfe, fast ausgezuckt. Aber er blieb. So wie alle bleiben, wenn eine Kamera auf sie gerichtet ist. Österreicher zumindest: so konsequent, aufzustehen und zu gehen, sagt der Bernhard, sei ein Boris Becker - aber kein Austro-Promi: Hauptsache im Bild.

Im echten Leben ist der Bernhard ein netter Kerl. Im Fernsehen aber soll er ein Promi-Schreck sein. Im Societyfleckerl "2-Nite-TV" auf Pro Sieben Austria. Mit Kappe und schlechten Manieren soll "der Bernhard, den kein Promi gern hat" die Prollversion von dem sein, was unter anderen H. P. Kerkeling vor Jahrzehnten auf einem ganz anderen Level (vielleicht auch ob der "Gegner") vorzeigte.

Zugegeben: Wolfgang Schüssel im Bundespräsidentschaftswahlkampf "von kleinem Mann zu kleinem Mann" am Philharmonikerball zu bitten, Benita Ferrero-Waldner anzuordnen, mit dem Bernhard zu tanzen, hat was. Nur: Das ist lange her. Und die Masche blieb gleich, während sich die (kleine) Seitenblickedarstellerklientel längst an den halbstarken Buben gewöhnt hat: Er bringt sie ja trotzdem ins Fernsehen. Jemanden zu finden, der ihm den Gefallen tut, ihm Anlass zum Zurückhauen zu bieten, dürfte dem Bernhard da von Woche zu Woche schwerer fallen. (rott/DER STANDARD; Printausgabe, 25.6.2004)

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