Kursgewinne bei Postbank-Börsendebüt

1. Juli 2004, 13:40
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Aktie schließt zum Auftakt 1,2 Prozent über Ausgabepreis - Emmissionserlös für Expansion der Deutschen Post, womöglich auch für Einstieg bei Österreichischer Post

Frankfurt - Der erste große deutsche Börsengang seit Jahren ist perfekt: Der Vorstand der Deutschen Post hat die Postbank nach zahlreichen Pannen und deutlichen Abstrichen bei seinen Preisvorstellungen letztlich doch erfolgreich an die Börse gebracht. Dank des niedrigen Ausgabepreises von 28,50 Euro je Aktie am unteren Ende der zuvor gesenkten Angebotsspanne konnten sich Anleger am ersten Handelstag über Kursgewinne freuen.

Die Aktie der größten deutschen Filialbank schloss am Mittwoch bei sehr hohen Handelsumsätzen mit 28,84 Euro und lag damit 1,2 Prozent über dem Ausgabepreis von 28,50 Euro. Mit rund 15 Mio. Papieren wurden fast genau so viele Postbank-Aktien gehandelt wie Titel des Dax-Schwergewichts Deutsche Telekom. "Das macht mich zuversichtlich für die Zukunft", sagte Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann auf dem Frankfurter Börsenparkett.

Analysten räumen Aktie gute Chancen ein

Analysten und auch Fondsmanager, die den Vorstand der Deutschen Post in den vergangenen Wochen immer wieder für seine Preisvorstellung kritisiert hatten, räumten der Aktie gute Kurschancen ein. Den größten deutschen Börsengang seit mehr als drei Jahren werteten sie als Erfolg für den Finanzplatz, aber noch nicht als wirklichen Durchbruch für das noch weitgehend brach liegende Geschäft mit Aktien-Neuemissionen.

Der Bonner Logistikkonzern erlöst für die verkauften Aktien rund 1,55 Mrd. Euro. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang - inklusive einer Umtauschanleihe auf Postbank-Aktien sind es knapp 2,6 Mrd. Euro - will die Deutsche Post ihre Schulden reduzieren und die internationale Expansion vorantreiben.

Einsteig bei österreichischen Post

Interessiert sind Deutschen unter anderem auch an einem Einstieg bei der Österreichischen Post AG. Bis Ende 2005 soll die Deutsche Post zur Nummer Eins der weltweiten Logistik aufsteigen. Die im Deutschen Aktienindex (Dax) notierte Post-Aktie gewann bis zum Handelsschluss 1,9 Prozent auf 17,37 Euro.

Der Chef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, deutete in Frankfurt indirekt an, dass sich der Konzern langfristig von der Mehrheit an der Postbank trennen könnte. "Wir wären schlechte Kaufleute, wenn wir in den nächsten Jahren nicht alle Optionen erwägen würden", sagte er Journalisten. Später relativierte die Deutsche Post diese Aussage: Die Post werde auch in Zukunft die Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie an der Postbank halten.

Die Postbank gilt bei Analysten und Fondsmanagern als gut aufgestellte Bank. "Sie ist eine großartige Ergänzung und gibt den Anlegern die Möglichkeit, in eine reine Privatkundenbank zu investieren", sagte der Leiter des Aktienfondsmanagements von SEB Invest, Thomas Körfgen.

Ein Analyst ergänzte, auf Basis des Ausgabepreises und gemessen an ihrer Dividendenrendite sei die Postbank "sehr günstig". Fondsmanager Ulf Moritzen sagte: "Jetzt muss die Postbank beweisen, dass die Dividende sich in die richtige Richtung entwickelt."

352 Millionen Euro Nettogewinn

Im vergangenen Jahr hatte die Postbank ihren Nettogewinn auf 352 (Vorjahr: 132) Mio. Euro gesteigert und peilt 2004 weitere Zuwächse an. Die Dividende für 2003 lag - hochgerechnet auf die jetzige Aktienanzahl und inklusive eines hohen Anteils aus der Entnahme von Gewinnrücklagen - bei 3,68 Euro je Aktie.

An der Börse wird die gesamte Postbank mit rund 4,7 Mrd. Euro bewertet. Zumwinkel hatte den Wert seiner Banktochter vor einigen Monaten noch auf mindestens sechs Mrd. Euro beziffert. In den Büchern der Deutschen Post steht die - gemessen an der Marktkapitalisierung - viertgrößte deutsche Bank mit 4,88 Mrd. Euro.

Der niedrige Ausgabepreis resultiert aus massiver Kritik von Fondsmanagern an der ursprünglichen Angebotsspanne von 31,50 bis 36,50 Euro. Diese war von der Post in letzter Minute am Wochenende auf 28 bis 32 Euro gesenkt worden. Oberhalb von 30 Euro wollten Fondsmanager keine größeren Pakete zeichnen, so dass der Börsengang (IPO) lange auf der Kippe stand. Die Post hatte das Aktienvolumen um ein Drittel auf 54,5 Mio. Stücke verknappt.

Umtauschanleihe

Dafür wird die Aktienemission um eine Umtauschanleihe ergänzt, die der Post eine weitere Milliarde Euro in die Kasse spülen soll. Die ausschließlich institutionellen Investoren vorbehaltene Anleihe mit einer Laufzeit von drei Jahren hat eine Nominalverzinsung von 2,65 Prozent.

Der Börsengang der Postbank wurde wegen zahlreicher Querelen zur Zitterpartie. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Deutsche Bank, der zunächst Kaufinteresse für die Postbank nachgesagt worden war, obwohl das Institut federführend im IPO-Bankenkonsortium tätig war. Zudem gelangte ein internes Papier der Deutschen Bank an die Öffentlichkeit, in dem der Wert der Postbank deutlich unterhalb der Vorstellungen Zumwinkels angesetzt wurde.

Händler und Analysten werteten den IPO dennoch einhellig als Erfolg für den Finanzplatz. Bisher schafften in diesem Jahr erst der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf und der Fahrradhersteller Mifa den Sprung an die Börse. Die Halbleiterfirmen Siltronic und X-FAB sowie die Werkstattkette Autoteile Unger scheiterten mit ihren IPO-Plänen. 2003 hatte es überhaupt keinen Börsengang gegeben. (APA)

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