Gewinnwarnung bei Swiss - Hoher Kerosinpreis spitzt Lage zu

5. Juli 2004, 16:36
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Ausgeglichenes operatives Jahresziel gefährdet - Swiss versichert aber: Liquidität des Unternehmens nicht gefährdet

Basel - Bei der angschlagenen Schweizer Fluggesellschaft Swiss spitzt sich die Lage zu. Wegen Steigender Treibstoffpreise und erfolglosen Rabattverhandlungen mit dem Lieferanten SR Technics hat die Swiss am Montagabend nach einer Sitzung des Verwaltungsrats eine Gewinnwarnung ausgegeben.

Die anvisierte "Schwarze Null" für 2004 könnte verfehlt werden, wie die Airline nach der Sitzung mitteilte. Zudem wird der Schweizer Industrielle Andre Kudelski wegen Unstimmigkeiten in der Allianz-Frage den Verwaltungsrat verlassen.

Gestiegene Treibstoffpreise

Als Grund für die Gewinnwarnung nennt die Swiss einerseits die gestiegenen Treibstoffkosten sowie bisher nicht gewährte Kostenreduzierungen von SR Technics im Flugzeugunterhalt.

Wegen der jüngsten Entwicklung des Ölpreises und dem damit verbundenen Anstieg der Treibstoffkosten rechnet Swiss mit einem Anstieg der Kosten von rund 85 Mio. Franken (56,3 Mio. Euro) - ausgehend vom heutigen Preisniveau des Flugbenzins von 360 Dollar pro Tonne. Die Swiss hatte Anfangs Jahr ihre Treibstoffabsicherung verkauft, um zusätzlich liquide Mittel von 20 Mio. Franken zu erhalten.

Das angestrebte ausgeglichene Betriebsergebnis wird auch durch höher ausfallende Kosten im Bereich Flugzeugunterhalt gefährdet. Die Verhandlungen mit der SR Technics über von der Swiss geforderte Kostenreduzierungen seien auch nach neun Monaten ergebnislos geblieben, so dass vorgesehene Einsparungen noch nicht realisiert hätten werden können. Die Verhandlungen seien aber nicht abgebrochen worden, sagte Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel.

Ausreichende Liquidität

Die Airline versicherte außerdem, dass die Liquidität des Unternehmens nach wie vor ausreichend sei. Sie liege klar über den ursprünglich prognostizierten 250 Mio. Franken und sei auch nicht gefährdet. Zusätzliche Massnahmen zur Ergebnisverbesserung seien eingeleitet worden.

Ein eigens gebildetes Team ist laut Angaben von Donzel seit kurzem an der Arbeit, um weitere Kostensenkungen und Verbesserungen bei den Einnahmen zu ermitteln. Es würden alle Bereiche der Swiss grundsätzlich durchleuchtet, für konkrete Angaben sei es jedoch noch zu früh. Die Swiss wolle aber alles unternehmen, um trotz der "widrigen Umstände" möglichst nahe an eine "schwarze Null" heranzukommen.

Die Flugesellschaft teilte am Montagabend außerdem mit, dass Andre Kudelski als Verwaltungsrat der Swiss zurücktritt. Als Grund gab die Swiss Meinungsverschiedenheiten in der Allianzfrage zwischen dem Verwaltungsrat und dem Chef des gleichnamigen Waadtländer Technologiekonzerns an. Der Verwaltungsrat akzeptierte den Rücktritt mit Bedauern und dankte Kudelski für seinen Einsatz.

Zu den Meinungsverschiedenheiten wollte sich Donzel nicht genauer äußern. Anfang des Monats war der Beitritt der Swiss zur OneWorld-Allianz an den harten Forderungen von British Airways (BA) gescheitert. Die Swiss hatte sich geweigert, der BA das eigene Vielflieger-Programm zu überlassen. Das Scheitern der Option OneWorld nährte die Gerüchte, die Swiss könne mit der Lufthansa zusammengehen.

Die Verhandlungen über den dringend benötigten Betriebskredit für die Swiss laufen laut Donzel weiter. Ob die Gewinnwarnung einen Einfluss auf die Kreditverhandlungen haben könnte, konnte er nicht sagen. (APA)

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