Der mit dem Tunnelblick: Die lange Ablöse des Herbert H.

25. Juni 2004, 11:30
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Als Vizekanzler und Parteichef ist der Tierarzt schon zurückgetreten, nun soll er auch als Sozialminister gehen

Herbert Haupt ging schon als Vizekanzler und Parteichef, jetzt soll er auch als Sozialminister gehen. Der Partei stand der schrullige Tierarzt aus Kärnten in jeder Situation zur Verfügung. Nur wenn es darum ging, wieder Platz zu machen, gerät der Crashpilot ins Zögern.

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Wien - Herbert Haupt ist ein sympathischer Mensch. Er ist freundlich, im Umgang kumpelhaft und leutselig. Politisch gilt er als grundsatztreuer Freiheitlicher. Und er pickt auf seinem Sessel.

Seit Oktober 2000 sitzt Haupt als Sozialminister im Kabinett Schüssel. Exakt zwei Jahre später übernahm er nach dem Rücktritt von Mathias Reichhold als Notnagel auch die Funktionen des FPÖ-Spitzenkandidaten für die Nationalratswahlen und die des Bundesparteiobmanns.

Am 24. November 2002 mussten er und die FPÖ eine vernichtende Wahlniederlage einstecken. Die FPÖ hatte in Knittelfeld die Regierung gesprengt und stürzte auf zehn Prozent ab.

Drei Tage vor dieser Wahl hatte Haupt "in aller Klarheit" erklärt, für die Funktion des Vizekanzlers nicht zur Verfügung zu stehen: "Ich kenne meine Schuhgröße." Nach der Wahl diente er sich 96 Tage lang in aller Geduld der ÖVP erneut als Koalitionspartner an, bis er schließlich als dritte Wahl erhört wurde - und Vizekanzler wurde.

Haupt galt als Vizekanzler und Parteichef stets nur als Übergangslösung. Den Angeboten Jörg Haiders, ihn wenigstens als Parteiobmann zu "entlasten", widerstand Haupt "in aller Freundschaft" - und mit viel List. Bereits im Sommer 2003 hatte Haupt inoffiziell seinen Rücktritt verkündet, bei einer Führungsklausur auf der Burg Deutschlandsberg überrumpelte er seine Gegner aber mit einer geheimen Abstimmung, die er für sich entscheiden konnte.

Ablöse auf Raten

Es war kein Sieg von Dauer. Im Oktober 2003 legte er schließlich den Posten des Vizekanzlers zurück und bekam mit Ursula Haubner eine geschäftsführende Parteiobfrau zur Seite gestellt. Jetzt soll er auch als Sozialminister gehen. Und wieder wehrt sich der 56-jährige Kärntner.

Haupt saß insgesamt 14 Jahre für die FPÖ im Nationalrat, von November 1994 bis Jänner 1996 war er Dritter Nationalratspräsident. Als er es nicht übers Herz brachte, sich von Jörg Haiders Sager über die "ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich" zu distanzieren und dessen Auftritt vor SS-Veteranen in Krumpendorf auch noch verteidigte, musste er dieses Amt räumen. Sein Eintreten für Haider geschah wohl nicht nur aus Loyalität: Als "Landsmannschafter" hatte Haupt regelmäßig das umstrittene Kriegsveteranentreffen am Ulrichsberg besucht.

In seiner Zeit im Nationalrat hatte sich der Tierarzt den Ruf eines kompetenten Sozialpolitikers erarbeitet. Und diesen als Sozialminister wieder verloren. In seinen Verantwortungsbereich fielen die Einführung der mittlerweile wieder abgeschafften Ambulanzgebühren, die Unfallrentenbesteuerung, die erzwungene Ablöse von Hans Sallmutter im Hauptverband, der an einer Alkofahrt des vorgeschlagenen Reinhart Gaugg gescheiterte Versuch, einen Parteifreund als Vizedirektor mit einem Sondervertrag in der Pensionsversicherung unterzubringen und eine Reihe weiterer umstrittener Personalentscheidungen. In Erinnerung ist die Kabinettschefin, die falsche Magistra Ute Fabel.

Als Frauenminister etablierte er immerhin eine Männerabteilung. Sein Handling in Sachen Pensionsreform war mehr als unglücklich. Aus seinem Ressort stammt der Erstentwurf der Pensionsreform, den er noch ausdrücklich lobte, ehe er schließlich von der FPÖ und der Opposition massiv bekämpft und letztendlich zurückgenommen wurde.

Grenzerlebnisse

Politische Erfolge erzielte Haupt in der Behindertenpolitik und beim Kindergeld. In seinem eigentlichen Fachgebiet, der Tiermedizin, reagierte er während des Schweinefleisch-Skandals und der BSE-Krise rasch und kompetent. Als Erfolg der jüngsten Zeit sieht er selbst das neue Tierschutzgesetz.

Legendär sind seine unverständlich genuschelten Schachtelsätze. Er selbst bezeichnet sich als "Schussler". Angst hat er nach eigenen Angaben keine mehr. "Grenzerlebnisse sind mir Routine geworden." Haupt hat elf Autounfälle und einen Flugzeugabsturz überlebt, zweimal war er klinisch tot. Von seinem Blick ins Jenseits berichtet er: "Ich hatte Tunnelerlebnisse und die Vision der wiederkehrenden Existenz." (Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2004)

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    Herbert Haupt hat schon viele Unfälle überstanden - im Leben und in der Politik.

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