Barbarei und ihre Folgen: Widerstand der Muslime gefragt

20. Juni 2004, 21:29
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Zur Enthauptung des US-Amerikaners Paul Johnson - ein Kommentar der anderen von Karim Saad

Grausame Bilder überfluten diese Tage die Medien, egal ob im Osten oder Westen dieser Welt. Die jüngste Enthauptung des US-Amerikaner Paul Johnson, gepaart mit einer perfekten medialen Inszenierung seitens der Terroristen, stellt einen neuen Höhepunkt dar. Der Faktor Angst erscheint in einem bis dahin unbekannt grellen Licht, der Mensch wird als dienliche Sache missbraucht. Die publizierten Bilder der Leiche bereiten Übelkeit und tiefsten Argwohn gegen die Mörder und ihre ideologischen Hintermänner.

Welche Strategie steckt hinter einer solchen animalischen Tat? Rechtfertigung findet man weder im ewigen Konflikt um Palästina, in der Okkupation des Irak oder der Erniedrigung der muslimischen Bevölkerung in anderen Teilen dieser Welt. Gewalt schafft Gegengewalt, beide Seiten heizen mit brutalen barbarischen Akten und unmenschlicher Behandlung den Kampf der Zivilisationen weiter an.

Nicht durch Zufall trugen sowohl Nick Berg als auch Paul Johnson die orange Sträflingskleidung, bekannt aus dem Gefangenenlager Guantánamo Bay. Die Auswirkungen, die diese grausamen Morde nach sich ziehen, lassen sich rasch formulieren. Nicht dem Wohl der Muslime - wie es sich diese Barbaren womöglich erhofften - dienen diese Aktionen, ganz im Gegenteil: Die Muslime werden sich noch mehr Argwohn ihrer Mitmenschen zuziehen und zunehmend isoliert und gettoisiert werden.

Gefahr der Eskalation

Dieser Entwicklung könnte eine dramatische Radikalisierung der "Ausgestoßenen" folgen, welche den Kampf der Kulturen endgültig eskalieren lässt. Die Muslime müssen sich insofern lautstark in der Öffentlichkeit von der Tat distanzieren und den wahren und friedlichen Charakter des Islam beschwören. Es dürfen keine Ausrede benützt werden, denn ein schier unheilbares Krebsgeschwür gedeiht in der islamischen Welt.

Muslime in der ganzen Welt sind aufgerufen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Gott schuf den Menschen nicht, um Gewalt und Zorn zu säen, doch er hält diese Menschen nun auch nicht auf. Es liegt in der Hand eines jeden Einzelnen, diesen gefährlichen Kreisen Einhalt zu gebieten. Die Muslime müssen endlich erwachen aus ihrem tausendjährigen Schlaf.

Die Zeit des Osmanischen Reichs und der Kalifate ist vorbei, der Islam gleitet tiefer und tiefer in ein bodenloses Loch. Die Gefahr einer Deklarierung des gesamten Islam als Feind der Neuzeit muss effektiv im Keim erstickt werden. Doch die "Waffen" sind das Wort und die friedliche Botschaft des Quran: Liebe, Respekt und Gemeinschaft mit allen Lebewesen dieser Welt. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2004)

Karim Saad ist Medienmanagement-Student und Projektleiter der Onlinezeitung www.al-asr.net.
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