Pfirsichklo

16. Juni 2004, 22:00
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Ist Ihnen schon aufgefallen, dass neuerdings jede bessere Toilette nach Pfirsich duftet? WC-klimatisch mag das ein schöner Fortschritt sein. Aber was bedeutet es für das Frucht-Image? Hier die Stationen.

Wanderjahre: Der Pfirsich kam im mittleren China unauffällig zur Welt, fasste in Nordchina Fuß, schleppte sich über den Vorderen Orient in den Mittelmeerraum, wo sich Römer seiner bedienten und (die Kerne) bis nach Österreich trugen.

Uns als Kinder hat der Pfirsich an und für sich gut geschmeckt, aber immer musste er vor sich hinsafteln. Oft pickte die Frucht am Kern, der wiederum von Ohrenschlüpfern gut besucht war. Unverzeihlich: seine Gänsehaut verursachende pelzige Schale.

Ab 1980 eroberte die Nektarine den Markt. Die konnte man mit Haut und ohne Haare verspeisen. Um den Pfirsich wurde es still. Immer öfter flüchtete er in den Alkohol und versenkte sich in Früchtebowlen.

Mitte der 90er-Jahre sackte er noch eine Liga tiefer ab. Der Pfirsichspritzer wurde erfunden, ein Getränk, das die grindigsten Vorstadtplüsch-Etablissements wie im Sturm eroberte.

2004: Schampoo. Seife. Duschgel. Duftente. WC-Konzentrat. - Der Pfirsich ist in der Gosse gelandet.
(DER STANDARD, Printausgabe vom 14.6.2004)

Von
Daniel Glattauer
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