Sturm über Österreichs Windkraftanlagen

22. Juni 2004, 14:14
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Die ersten Windräder in Österreich werden vom Subventionstropf gehängt und in den freien Markt entlassen - Neue Betreiber müssen sich auf Einschnitte gefasst machen

Wien - Zehn Jahre ist es her, dass in Wagram a. d. Donau Österreichs erstes Windrad ans Netz ging. Zehn Jahre gab es Förderungen durch das Land Niederösterreich für die Anlage. Mit einer Nennleistung von 150 Kilowatt (kW) und einem Jahresertrag von rd. 300 Megawattstunden (MWh), die zur Stromversorgung von knapp 900 Haushalten reichen, zählt die Anlage zu den kleineren in Österreich.

Weil die Förderung auf zehn Jahre begrenzt war, ist nun Schluss mit lustig. Jetzt muss sich zeigen, ob die Anlage auch ohne subventionierte Einspeistarife betrieben werden kann.

Einheitliche Einspeistarife

Einheitliche Einspeistarife gibt es in Österreich erst seit Anfang 2003. Zuvor hatte jedes Bundesland eigene Regelungen. Jede kWh Windstrom, die ans Netz geht, wird den Windstromproduzenten nun mit durchschnittlich 7,58 Cent vergütet - um einige Cent mehr, als für konventionell erzeugten Strom auf dem Spotmarkt gezahlt wird. Gefördert wird nicht nur zehn Jahre, sondern 13 Jahre lang.

Erst Anfang April hat Wirtschaftsminister Martin Bartenstein mit einer Verordnung den Ökostromzuschlag um 0,1 Cent auf 1,22 Cent je kWh erhöht. Pro Haushalt und Jahr macht das bei einem Verbrauch von 3500 kWh in Summe knapp 43 Euro aus. Damit wird die Kleinwasserkraft ebenso gefördert wie die Biomasse; der Löwenanteil geht aber an die Windenergie, die im Vorjahr einen regelrechten Boom erlebt hat.

Stefan Hantsch von der IG Windkraft gibt die Zahl der Windräder in Österreich mit derzeit etwa 350 an. Die installierte Leistung beläuft sich auf 450 MW und wird laut Hantsch bis 2008 auf etwa 770 MW steigen, wenn es Planungssicherheit für die Branche gibt.

"Viel zu teuer"

Arbeiterkammer und Industriellenvereinigung kritisieren die Windkraft als "viel zu teuer" und verlangen bei der anstehenden Novellierung des Ökostromgesetzes eine Deckelung sowie die Einführung von Effizienzkriterien.

Bartenstein hat ein offenes Ohr dafür gezeigt. Die ursprünglich für Anfang Juni versprochene Novelle aber liegt noch nicht vor. Auch ist fraglich, ob sie noch vor dem Sommer in Begutachtung geschickt wird. "Fix ist derzeit nur, dass das neue Ökostromgesetz mit 1. Jänner 2005 in Kraft tritt", heißt es im Ministerbüro.

Die Windstromproduzenten weisen darauf hin, dass die Anhebung des Anteils erneuerbarer Energien bis 2010 auf 78,1 Prozent, zu der sich Österreich verpflichtet hat, ohne Ausbau der Windkraft schwer möglich sei. (DER STANDARD Printausgabe, 08.06.2004, Günther Strobl)

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    350 Windräder gibt es derzeit in Österreich, und es könnten noch ein paar Hundert mehr werden in nächster Zeit.

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