Erzherzog Leopold Salvator soll Spion des Dritten Reichs gewesen sein

11. Juni 2004, 12:49
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Laut Verhörprotokoll Sanitzers, einer Schlüsselfigur der Wiener Gestapo-Zentrale

Wien - Erzherzog Leopold Salvator Habsburg soll als Agent der Gestapo und als Spion für das Dritte Reich gearbeitet haben. Das gehe aus der umfangreichen Aussage von Johann Sanitzer, der eine der Schlüsselfiguren in der Wiener Gestapo-Zentrale gewesen ist, hervor, berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner jüngsten Ausgabe. Der Gestapo-Mann wurde 1949 von Österreich dem Ministerium für Staatssicherheit der UdSSR übergeben und wurde in Moskau zu 25 Jahren Haft verurteilt. In seinem Verhör sagte er wörtlich: "Leopold Salvator Habsburg, Erzherzog, wurde von mir persönlich im Jahre 1938 zur Mitarbeit in der Gestapo herangezogen."

In dem nun veröffentlichten Verhörprotokoll heißt es, der 1897 in die Toscana-Linie geborene Habsburger sei wegen der NS-Beschlagnahme der habsburgischen Güter zur Gestapo gekommen. Sanitzer gibt an, der Erzherzog habe "bereitwillig" alle Fragen über legitimistische (monarchistische) Emigranten beantwortet, die gegen den Nationalsozialismus eingestellt waren. Als ihm Gestapo-Referent Sanitzer Hilfe bei Antritt seines künftigen Erbes anbot, habe Erzherzog Leopold zugestimmt, aus Paris über die Aktivitäten der Legitimisten zu berichten. In Paris versuchte Otto Habsburg eine österreichische Exilregierung aufzustellen und pflegte hochrangige politische Kontakte bis hin zum damaligen Ministerpräsidenten Edouard Daladier.

Vor Ausbruch des Krieges Deutschland gegen Frankreich 1940 soll der Habsburger dem Gestapo-Beamten persönlich einen Bericht mit wichtigen Informationen über die militärische Stärke Frankreichs übergeben haben. Der frühere Gestapo-Mann und SS-Hauptsturmführer Sanitzer sagte dazu: "Ich möchte erwähnen, dass in diesem Bericht alle französischen U-Boot-Stützpunkte angegeben waren."

Das nunmehr veröffentlichte Dokument wurde in Moskau vom Wiener Historiker Hans Schafranek gefunden, dessen Spezialgebiet die Erforschung der gegen das Dritte Reich eingesetzten Geheimagenten ist. Schafranek bezeichnet die Aussagen des Gestapo-Mannes Sanitzer als im Wesentlichen zuverlässig. Sanitzer ist 1957 in Österreich verstorben, Erherzog Leopold Salvator starb 1958 in den USA.

Karl Habsburg, der in Österreich lebende Sohn von Otto Habsburg, wollte gegenüber "profil" zu dem Dokument keinen Kommentar abgeben. (APA)

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