Rache ist süß und schwarz

16. Juni 2004, 21:59
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Innovation, Konsequenz von Idee und Durch- führung und Tragbarkeit sind die Kriterien des "RONDO Nokia Fashion Award", Preisträgerin ist Julia Cepp mit ihrer "Angels"-Kollektion

Innovation, Konsequenz von Idee und Durchführung und Tragbarkeit sind die Kriterien des "RONDO Nokia Fashion Award", den wir an eine Diplomkollektion der Meisterklasse für Mode der Universität für angewandte Kunst Wien vergeben. Preisträgerin 2004 ist Julia Cepp mit ihrer "Angels"-Kollektion


"Angels" heißt Julia Cepps Diplomkollektion, doch der Name ist irreführend: Das Thema sind Frauen, die zu Mörderinnen wurden. Und das ist ein Tabuthema, so die 28-Jährige, auf das sie durch die Arbeiten einer befreundeten Künstlerin gestoßen ist, die Mörderinnen in Todeszellen in den USA porträtierte. "Ich habe dann sehr viel in diese Richtung recherchiert und bin im Internet auf die Lebensläufe von Mörderinnen gestoßen, das war eine emotional sehr aufwühlende Lektüre." Dazu kamen Filme wie Abel Ferraras "Angel of Vengeance", François Truffauts "Die Braut trug schwarz" oder "Nikita" von Luc Besson: "Mörderinnen im Film", so die leidenschaftliche Kinogeherin Cepp, "werden meist durch männliche Gewalt gezwungen zu töten, sie befinden sich in Situationen, die keine andere Perspektive bieten."

Ihre "Angels"-Kollektion thematisiert unterschiedliche Aspekte weiblicher Gewalt, erzählt die Designerin. "Ich wollte eine Kollektion schaffen, deren Grundformen weiblich, elegant und klassisch sind, bei der aber trotzdem das Männliche, Unnahbare und Beängstigende spürbar bleibt." Einige der Entwürfe beziehen sich auf Silhouetten von Frauenkleidung der 50er- und 60er-Jahre, die für Cepp eine Art Gegenbild darstellen, nämlich das der weiblichen Unschuld, der perfekten, charmanten und properen Haus- und Ehefrau.

Eine ganz in Schwarz gehaltene Kollektion ist so entstanden, bei der sofort das gekonnte Spiel von Silhouetten, Proportionen und Längen auffällt: ein raffiniert simples Plisseekleid, das im Prinzip nur aus vier kunstvoll miteinander verbundenen Stoffhalbkreisen und einem elastischen Halsträger besteht, ein üppig aufgebauschter Rock, jedoch nicht aus leichtem Tüll, sondern kompaktem Tuch, ein dramatisches Cape, das von der Länge her erotisch knapp ausfällt. Vorrangig Wollstoffe und Loden hat die Designerin verarbeitet, denn dadurch bekamen die Teile, so Cepp, eine eigentümliche Schwere, die dem Thema entspricht. Leder und glänzende Materialien wie Seide setzte sie eher sparsam ein, "ich wollte auf keinen Fall irgendwelche Sado-Maso- oder Fetisch-Assoziationen herstellen." Wichtig sind ihr die Accessoires, etwa die Handschuhe oder die Hüte und Kappen, die der Wiener Huthersteller Mühlbauer in den von ihr gewünschten Materialien nach klassischen Modellen nähte. Bei den Stoffen konnte Cepp großteils auf ein Sponsoring durch Tiroler Loden und Loden Steiner zählen.

Die starke grafische Begabung kommt nicht von ungefähr. Die 1975 in Graz Geborene absolvierte in ihrer Heimatstadt die HTBLA für bildnerische Gestaltung und lernte Grafikdesign - auch wenn sie schon von Kind auf eine besondere Vorliebe für Mode zeigte: "Ganz klassisch halt, ich habe für meine Barbie-Puppen Kleider genäht." Nach der Matura begann Julia Cepp aber zunächst einmal ein Kunstgeschichte-Studium, "das war's aber auch nicht so wirklich", arbeite in Wien im Grafikbereich und entschloss sich dann doch, "das zu machen, was ich immer schon machen wollte" - Mode. Nach einem Praktikum beim heimischen Label "Modus Vivendi" besuchte Cepp das zweijährige Kolleg für Mode und Bekleidungstechnik in Michelbeuern, bewarb sich im Herbst 2000 an der Angewandten und wurde prompt - in die erste Klasse, die der derzeitige Gastprofessor Raf Simons leitete - aufgenommen. Und dann ging's in Windeseile in Richtung Diplom.

Neben dem Studium betreibt die Designerin seit 2001 auch ein eigenes Label namens "mija t. rosa" (mija-t-rosa.com), sozusagen als Ausgleich zum universitären Arbeiten. Hauptsächlich Accessoires wie wärmende Strickärmel, experimentelle Unterwäsche (sehr witzig die Unterhosen mit Wiener Schimpfwörtern), T-Shirts und Taschen. "Das ist natürlich ein ganz anderes Arbeiten als an der Uni, hier muss ich auch auf ein Publikum reagieren und flexibel sein." Was ihr, wie sie beteuert, keine Probleme verursacht.

Die Frage nach der Zukunftsvorstellung beantwortet die "RONDO Nokia Fashion Award"-Gewinnerin 2004 so: "Ich möchte gerne Familie und Beruf vereinen" - im Herbst steht Nachwuchs ins Haus. Ein Atelier, eventuell in Zusammenarbeit mit anderen Designern, könne sie sich vorstellen, alles im überschaubaren Rahmen. "Paris ist nicht mein Ziel", meint Julia Cepp sympathisch bodenständig. Eine kleine Starthilfe in diese Richtung könnte der Preis sein, den sie gerade gewonnen hat, denn der ist heuer erstmals durch Nokia mit 2500 Euro dotiert. (DERSTANDARD/rondo/mw/04/06/04)

Fotos:
Peter Garmusch
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