Großfürstliches Besteck zur Jägergruppe

7. Juni 2004, 14:38
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Qualitätsbewusste Hausstandsgründer hatten ihre helle Freude: 5,18 Millionen Euro Wochenumsatz im Wiener Dorotheum

Wien - Qualitätsbewusste Hausstandsgründer hatten ihre helle Freude und ein breites Sortiment zur Wahl, als vergangene Woche im Dorotheum Kunst in allen Kategorien zur Verteilung gelangte.

Zum Auftakt der zweiten Auktionswoche stand die Kategorie repräsentatives Tafelsilber im Angebot. Kräftig langte hier ein deutscher Interessent zu, der sämtliche bei der Auktion offerierten Teile des persönlichen Tafelservices der Großfürstin Olga Nikolajewna von Russland, ihres Zeichens Königin von Württemberg und Tochter des Zaren Nikolaus I., für insgesamt 36.100 Euro erwarb.

Ein Paar seltener Nachttischleuchter des Augsburger Meisters Johann Philipp Heckenauer sicherte sich ein österreichischer Käufer um 6500 Euro. Insgesamt summierte sich die Nachfrage auf die höchste Zuschlagsquote der Woche in der Höhe von 73 Prozent auf einen Nettoumsatz von 563.000 Euro (2003: 417.000 Euro).

Die hauseigene Galerie konnte mit Bildern in einer zeitlichen Spannweite vom 19. Jahrhundert über die Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst bestückt werden. Im Trend dürfte hier besonders die Sektion Moderne liegen, in der man nicht nur zahlreiche Topzuschläge, sondern vor allem den bislang höchsten Umsatz verbuchen konnte: fast 2,15 Millionen Euro netto.

Der Bub mit grünen Strümpfen, von Egon Schiele, aus dem Jahr 1911, fand dieserart für 450.000 Euro statt der erwarteten 130.000 bis 200.000 eine neue Heimstatt in Übersee. Kolo Mosers Ölbild eines Frauenakts, Die Quelle - In einer Grotte Liegende (um 1913) sicherte sich ein österreichischer Interessent für 70.000 Euro (22.000-30.000). Und bei den Zeitgenossen übertraf Markus Prachenskys Großformat Rouge sur gris - Aschaffenburg II (1961) den Schätzwert (16.000-22.000 Euro) mit hervorragenden 45.000 Euro.

Puszta-Romantik

In der Sektion 19. Jahrhundert gefiel Puszta-Romantik über die Maßen. Den höchsten Zuschlag erteilte man für August Xaver Karl Ritter von Pettenkofens ungarischen Eselskarren bei 55.000 Euro (10.000 bis 12.000), gefolgt von 50.000 Euro (35.000 bis 45.000) für den Blick auf Perchtoldsdorf, ein Frühwerk des Sezessionsmalers Carl Moll aus dem Jahr 1886, und das Limit von 40.000 Euro für Friedrich Gauermanns Jägergruppe in einer Felsschlucht von 1832.

51 Prozent des Angebotes wurden in dieser Sparte abgegeben und brachten 1,11 Millionen Euro ein. Bei Möbeln (353.000 Euro) sowie für Jugendstil (516.000 Euro) verzeichnete man einerseits verhaltenes und andererseits gewohnt leidenschaftliches Käuferinteresse.

Vor allem französisches Glas fand mehr Abnehmer als zuletzt. Die höchsten Zuschläge erteilte man in diesen beiden Sparten beim Limit für einen barocken Hallenschrank, einem so genannten Maria-Theresien-Schrank, bei 26.000 Euro sowie - mit je 34.000 Euro deutlich über den Taxen - für zwei Möbel des belgischen Architekten Victor Horta, dessen Bett und Damenschreibtisch aus dem Hause Solvay zu den Schmuckstücken eines Interieurs in Übersee avancierten.

Gegen Ende des Veranstaltungsreigens versteigerte das Dorotheum dann noch Juwelen, Taschen- und Armbanduhren und verbuchte den respektablen Wochenumsatz von 5,18 Millionen Euro. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.6.2004)

Von
Olga Kronsteiner
  • Die Daum-Vase mit Farbeinschmelzungen und umlaufend geätzter Baumlandschaft, "Arbres roux", wechselte für 11.000 Euro den Besitzer
    foto: dorotheum

    Die Daum-Vase mit Farbeinschmelzungen und umlaufend geätzter Baumlandschaft, "Arbres roux", wechselte für 11.000 Euro den Besitzer

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