Immer mehr Frauen ohne Job

22. Juli 2004, 11:24
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Die schwache Inlandsnachfrage führt zu einem starken Schwund der Arbeitsplätze für Frauen

Wien - Die aktuelle Arbeitsmarktstatistik für Mai sieht weniger unangenehm aus als in den Monaten davor. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit hat sich auf hohem Niveau eingebremst. Im Jahresvergleich liegt die Arbeitslosigkeit "nur" um 0,3 Prozent höher, im Vergleich zum April ist sie durch günstige saisonale Einflüsse erwartungsgemäß um zehn Prozent gesunken. In Zahlen: Im Mai waren 215.495 Menschen ohne Job und 42.612 in Schulungen. Damit stehen fast 260.000 ÖsterreicherInnen vor den Türen des Arbeitsmarktes. Ohne Schulungen errechnet sich nach nationaler Methode eine Mai-Quote von 6,3 Prozent, nach EU-Berechnung von 4,4 Prozent.

Auffallend ist, dass nach kontinuierlichem Steigen die Jugendarbeitslosigkeit um 5,2 Prozent auf 32.961 Betroffene gesunken ist. Auffällig auch, dass die Arbeitslosigkeit bei Männern erstmals seit April 2001 wieder gesunken ist, nämlich um 0,9 Prozent auf 116.449.

In der Regierung sind diese Daten Anlass zur Freude. Vizekanzler Hubert Gorbach etwa sprach von einem "Silberstreif am Horizont" und berief sich auf einen Zuwachs beim Beschäftigtenstand von 0,6 Prozent.

Frauen im Haupterwerbsalter

Allerdings zeigen sich die Probleme des heimischen Arbeitsmarktes im Mai ebenso deutlich: Immer mehr Frauen im so genannten Haupterwerbsalter (zwischen 25 und 49) sind arbeitslos. Im Mai waren das erneut um 1,6 Prozent mehr auf 99.046 Betroffene. Laut Arbeitsmarktservice ist vor allem der Dienstleistungssektor betroffen, das heißt Jobs im Handel, in der Reinigung und in Lehrberufen. Auch bei Akademikerinnen steigt die Arbeitslosigkeit.

Helmut Hofer, Arbeitsmarktexperte am Institut für Höhere Studien (IHS), sieht darin vor allem einen "Spiegel der schwachen Inlandsnachfrage". Vor vier Jahren, am Beginn der Konjunkturschwäche, seien erst Arbeitsplätze in der Produktion abgebaut worden, die Frauenbeschäftigung stieg allerdings tendenziell, vor allem im Teilzeitbereich.

Hofer warnt vor zu viel Euphorie, sowohl was die Gesamtdaten als auch was die Jugendlichen betrifft. "Ich würde da aus Monatsdaten keine schnellen Schlüsse ziehen." Immerhin ist beispielsweise die Zahl der offenen Lehrstellen (minus 17,7 Prozent) wesentlich stärker zurückgegangen als die Zahl der Suchenden (minus 1,9 Prozent).

Strukturelle Verhärtung

Strukturell scheinen sich die Fronten auf dem Arbeitsmarkt indes zu verhärten: Den größten Anstieg verzeichnet die Gruppe ohne Schulabschluss mit über zehn Prozent sowie die der Uni-Absolventen, ebenfalls mit mehr als zehn Prozent Arbeitslosen. Im Jahresvergleich hat auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen stark zu genommen: plus 24,2 Prozent auf 56.663.

In Wien sind im Mai die "alten" Probleme besonders deutlich geworden: Plus 5,1 Prozent Arbeitslose im Jahresvergleich auf 78.366, wobei vor allem Frauen stark betroffen sind. Es fehlen die Niedriglohnjobs, der Ausfall des öffentlichen Bereiches konnte in Wien offenbar nicht kompensiert werden. (DER STANDARD, Printausgabe 03.06.2004)

Von Karin Bauer
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